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Montag, 12. April 2010

Jimmy Hartwig - Ein Kämpfer mit vielen Talenten

 Foto: Jimmy Hartwig als Trainer/Wolfgang Kluge/ Deutsches Bundesarchiv/Creative Commons Attribution ShareAlike Lizenz 3.0/Wikimedia Commons

Sein Leben als aktiver Fußballer und deutscher Nationalspieler liegt schon lange hinter ihm, aber bis heute spürt Jimmy Hartwig Leidenschaft für diesen Sport, der ihm einst den Weg bahnte: heraus aus der Sozialsiedlung und hinein in ein Leben als gefeierter Sportstar und Millionär. Mit Peter von Becker hat er für den Tagesspiegel ein langes und intensives Gespräch geführt über sein bewegtes Leben:

Sonntagsinterview: "Ich bin ein Kämpfer geblieben"
Interview: Peter von Becker / Der Tagesspiegel 

"....Sie sind gerade für den DFB nach Kapstadt gereist und haben in einer südafrikanischen Township mit Kids von der Straße einen Fußballworkshop gemacht.

Moment mal: Ich bin auf eigene Kosten gereist, und das Ganze ist eine Initiative des privaten Projekts „Auf Ballhöhe“, das seit Jahren Jugendarbeit in Südafrika betreibt. Daran ist der DFB nur als Förderer beteiligt.

Der superreiche DFB hat für diese Aktion kurz vor der WM in Südafrika nichts bezahlt?

Nicht für mich. Doch mir war es das wert. Ich habe zwei Wochen mit Jungs trainiert, die nach Anerkennung lechzen, die aus ihrer materiellen Misere herauswollen und dafür kämpfen, ohne zu klagen. Sie lachen und tanzen und geben den Glauben an die Zukunft nicht auf. Das ist kein Kitsch. Manchmal habe ich an die Lowald-Siedlung in Offenbach zurückdenken müssen, wo ich aufwuchs. Das ist meine Township gewesen.

War das Ihr stärkster Eindruck?

Nein, das war der Besuch auf Robben Island in der ehemaligen Gefängniszelle von Nelson Mandela. Ein Tisch, ein Stuhl, eine fünf Zentimeter dicke Filzmatte zum Schlafen, daneben ein roter Blecheimer für die Notdurft. Da hat Mandela 27 Jahre gelebt und ist am Ende rausgekommen und hat statt Hass und Gewalt Versöhnung und Nächstenliebe gelehrt. Ich durfte mich ausnahmsweise auf seine Schlafmatte legen. Da bekam ich eine Gänsehaut. Früher habe ich mich für meine Hautfarbe geschämt, seit diesem Erlebnis bin ich stolz darauf...


....Nach dem Stürmer Erwin Kostedde waren Sie Anfang der 80er Jahre der einzige farbige deutsche Nationalspieler. Und nach Ihnen kam lange Zeit keiner mehr.

Wenn jetzt ein dunkelhäutiger Rapper – auch einer mit großer Klappe – zum Bestsellerautor wird und sein Leben verfilmt kriegt, dann ist das für mich wie eine andere Welt. Ich bin knapp zehn Jahre nach dem Krieg geboren, da war noch die ganze Nazizeit in den Köpfen drin. „Beim Adolf hätte es das nicht gegeben, dass hier ein Neger bei uns rumläuft!“, das habe ich als Schulkind tagtäglich gehört.

Auch beim Fußball?

„Du Negerschwein“, das hörte ich auch auf dem Platz. Aber mein erster Jugendtrainer bei den Offenbacher Kickers hat mein Talent sofort erkannt. Er hat mich auch gegen alle Anzüglichkeiten verteidigt. Später, beim VfL Osnabrück, bei 1860 München, beim HSV und dem 1. FC Köln, habe ich mich mit meiner großen Fresse zu verteidigen versucht. Damit macht man sich wenig Freunde. Und je höher du steigst, desto mehr Leute freuen sich über deinen Absturz.

Noch im WM-Endspiel 2006 hat eine Schmähung den Weltstar Zidane zum Ausrasten gebracht. Und Lothar Matthäus war als Bayern-Spieler bekannt für seine Bemerkungen über die Genitalien schwarzer Fußballer. Wie viel Rassismus gibt es unter den Spielern?

Der Lothar war ein herausragender Spieler; ich war mal sein Kapitän in der B-Nationalmannschaft, bevor seine große Karriere begann. Er tut mir ein bisschen leid, weil er noch immer die jungen Dinger flachlegen muss, aber weiter will ich ihn nicht kommentieren. Manche haben halt weniger in der Birne als in den Beinen. Aber gegen einen wie mich gab es Vorurteile auf allen Ebenen....

...Warum haben Sie eigentlich nur zwei A-Länderspiele gemacht?

Zu Zeiten meiner Hochform in den 80er Jahren war ich einer der besten defensiven Mittelfeldspieler Europas. In der Bundesliga hat sonst keiner auf meiner Position auch noch bis zu 14 Tore pro Saison geschossen. Einmal habe ich mir da ein Herz gefasst und im Flugzeug den damaligen DFB-Trainer Jupp Derwall angesprochen: „Herr Derwall, ich glaube, ich gehöre in die Nationalmannschaft.“ Der Derwall hat auf meiner Position immer einen der blonden Förster-Brüder als Stammspieler aufgestellt. „Hartwig“, war seine Antwort, „bei mir bist du nicht erste Wahl.“ Ohne Begründung, die brauchte es auch nicht.

Lag das nur an Jupp Derwall?

Nein. Noch ein Erlebnis: Als ich in Irland und Island meine beiden A-Länderspiele gemacht habe und wir in Frankfurt mit der Nationalmannschaft gelandet sind, begrüßte uns DFB-Präsident Hermann Neuberger. Wir standen in einer Reihe, und direkt vor mir hat Neuberger den Sepp Maier und den Bernd Cullmann umarmt und dann direkt nach mir dem Bernd Schuster herzlich die Hand geschüttelt. Ich stand dazwischen und war Luft für ihn.

So ein Affront würde heute zum Skandal.

Natürlich. Aber eine Gegenfrage: Können Sie mir bis heute einen farbigen Spieler nennen, der es nicht nur im Club, sondern in der deutschen Nationalmannschaft zum Stammspieler oder gar Führungsspieler gebracht hätte?

Trotzdem, der DFB engagiert sich öffentlich gegen Rassismus in den Stadien und in der Gesellschaft. Könnte der Fußball auch sonst eine Botschafterfunktion haben für die soziale Integration von Migranten und Unterschichten?

Klar, dafür biete ich mich selber regelmäßig an. Ich weiß ja, wie es unten in der Gesellschaft aussieht, ich habe Abstürze erlebt, und ich mache jede Menge freiwillige Jugendarbeit, übrigens auch mit krebskranken Kindern. Nur, beim DFB hat das bisher kaum jemanden interessiert. Dort gibt es einen Herrn, der behauptet noch immer, der Jimmy Hartwig sei „eine verkrachte Existenz“....

...Herr Hartwig, wann waren Sie zum ersten Mal Millionär?

Mit 24. Da bin ich von 1860 München zum Hamburger SV gekommen. Plötzlich sah ich die Eins mit den vielen Nullen dahinter auf meinem Konto, und auf einmal gab’s wahnsinnig viele Leute, die mir auf die Schulter geklopft haben. Das hatte mir vorher so sehr gefehlt: nicht nur Geld, sondern Anerkennung.

Sie sind in Offenbach 1954 als unehelicher Sohn eines schwarzen GIs geboren, Ihren Vater haben Sie nur ein Mal kurz gesehen und Ihre Mutter musste als Arbeiterin die Familie alleine durchbringen.

Meine Mutter wollte ihren farbigen Jungen immer beschützen, aber sie konnte mir so wenig Anerkennung verschaffen wie meine Umgebung. Dabei ist das für einen Heranwachsenden das Wichtigste.

Sie sollen trotzdem immer schon eine große Klappe gehabt haben.

Weil ich mir damit Anerkennung herbeireden wollte. Ich habe immer Respekt und Liebe gesucht. Deswegen sind auch drei Ehen kaputtgegangen: Es war gar nicht so sehr der Sex, den ich in den Armen von Frauen gesucht habe, sondern Geborgenheit. Das Gefühl, als Mensch angenommen zu sein, selbst wenn ich mir das nur eingebildet habe, weil ein Mädel aus der Disco bloß den berühmten Fußballer im Bett haben wollte. An einem Punkt hat die Illusion aber nicht mehr funktioniert: beim Geld, das ich durch die angeblichen Freunde mit ihren Bauherrenmodellen verloren habe. Plötzlich bist du als Aufsteiger von ganz unten um deinen Lohn gebracht, du hast das Gefühl, die haben dir wieder einen Teil deines Lebens geraubt..."


Aus redaktionellen Gründen haben wir das Interview gekürzt und teilweise etwas umgestellt. Bitte klicken Sie oben und lesen Sie das komplette, sehr interessante Gespräch über Jimmy Hartwigs Leben dort nach.
Hier noch weitere aktuelle Artikel über Hartwig:

Fußballer Jimmy Hartwig : "Die Nähe von Triumph und eins auf die ...  /ZEIT ONLINE

Comeback auf der Bühne: Jimmy Hartwig spielt sich selbst - Nachrichten Kultur - Theater - WELT ONLINE

Jimmy Hartwig | berliner filmfestivals

Monument aus Herz und Seele von Peter von Becker/ Der Tagesspiegel

"...Etwas Ähnliches wird er ihm damals auch im „Ciao“ gesagt haben. Womit die Begegnung normalerweise zu Ende gewesen wäre. „Aber jetzt“, fährt Thieme fort, „passierte etwas völlig Verrücktes. Ein Fremder am Tisch hinter Hartwig steht nun ebenfalls auf und ruft aus: ,Das ich das erleben darf!’ Es war ein Lottogewinner aus Dortmund, der sich gerade einen Partykeller in sein neues Haus gebaut hatte.“ Und dort spielte er immer Poolbillard, mit den Ex-Nationalkickern Jürgen Kohler und Andy Möller. „Der Lottogewinner lud uns alle ein, es wurde ein längeres Besäufnis; ich saß neben Hartwig und murmelte natürlich auch so was in der Art: Sie waren doch als Nationalspieler der erste oder zweite ... äh ... – und der Jimmy sofort in seinem schlagfertigen Hessisch: ,Du konnst ruisch Nescher zu mir saache!’“

Einen Neger spielt er auch jetzt. Einen weißen Neger namens Woyzeck. Jimmy Hartwig ist Georg Büchners geprügelter Woyzeck, dieser erste Proletarier (und proletarische Philosoph) des Welttheaters. Thomas Thieme hat das in Leipzig zum 20. Jubiläum des Mauerfalls inszeniert, und der etwas prätentiös „Büchner/Leipzig/Revolte“ überschriebene Abend sollte so eigentlich gar nicht stattfinden. Es war zunächst an eine Dramatisierung von Erich Loests Roman „Nikolaikirche“ gedacht, auch sollte der Heldenstadt-Dirigent Kurt Masur irgendwie filmisch mitwirken, doch das hat wohl wegen allerlei Differenzen nicht so geklappt (Thieme über Masur: „Dem hat die Geschichte im richtigen Moment den Fuß hingehalten, und er hat ins Tor geschossen“).

In sehr kurzer Zeit ist stattdessen eine Mixtur aus Leipzigfilmchen, einem kurios anrührenden Altmännerchor mit jungsozialistischen Liedern, einigen Stasi-Anspielungen und, im Zentrum, einem fast monologischen Woyzeck-Solo entstanden. Thieme weiß, „ich habe mich da übernommen“, doch „was der Jimmy macht, ist ganz ungewöhnlich“..."

Hartwig: "Ich spiele um mein Leben"  Interview von Lucas Vogelsang / Der Tagesspiegel


Ermöglicht Ihnen das Theater, intensiver zu leben?

Natürlich ist es auch das. Das Theater bedeutet mir heute viel, weil ich den Leuten immer auch etwas von mir zeigen kann und ständig in verschiedene, neue Leben schlüpfen kann. Ich weiß ja nicht mehr, wie lange ich noch zu leben habe.

Bei Ihnen wurde 2007 zum dritten Mal Krebs diagnostiziert.

Ich spiele jeden Tag um mein Leben, weil ich jeden Tag eine Unmenge an Arznei schlucken muss. Ich bin durch die Krankheit körperlich extrem angeschlagen. Die vergangenen Wochen habe ich unter Schmerzen gespielt. Aber ich mache hier nicht schlapp.

Warum tun Sie sich das an?

Weil ich hier eine Verantwortung habe. Ich war immer ein Mensch, der, wenn ihm jemand eine Chance gibt, für denjenigen durchs Feuer geht. Egal, ob das meine Trainer Branko Zebec und Heinz Lucas waren oder jetzt Thomas Thieme. Menschen, die an mich glauben, will ich einfach nicht enttäuschen. Und wenn ich jetzt zusammenbreche, wäre das für alle der GAU. Deshalb schlucke ich meine Tabletten und ziehe das durch.

Haben Sie Angst vor den nächsten Wochen?

Vor jeder Vorstellung frage ich mich, ob ich das körperlich durchhalte. Schon wenn der Vorhang aufgeht und ich die Leute sehe, fange ich innerlich an zu beben. Ich stehe ja von der ersten bis zur letzten Minute auf der Bühne. Für mich ist das eine hohe psychische und physische Belastung. Wenn ich nach einem Drittel des Stücks plötzlich merke, dass mein Körper anfängt zu rebellieren, davor habe ich Angst.

Wie gegenwärtig ist der Tod in Ihrem Leben?

Meinen Ärzten habe ich gesagt, dass sie ruhig sein sollen, weil ich nicht wissen will, wie lange ich noch hab’. Doch als jetzt Rolf Rüssmann gestorben ist, habe ich gemerkt, wie es mir wieder den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Das hat mich innerlich erschüttert. Der Rolf ist ja auch an Krebs gestorben. Und ich habe das jetzt schon dreimal gehabt. Da unten und im Kopf. In diesen Momenten beginnt man natürlich wieder nachzudenken.

Gibt es vor dem Hintergrund der Krankheit Situationen in Büchners Stück, die Sie emotional besonders berühren – etwa in den Szenen, in denen Woyzeck auf den Doktor trifft?

Ja. Besonders diese Figur des Arztes erinnert mich ganz stark an meine Zeit nach der ersten Chemotherapie Anfang der 90er. Da gab es einen Professor, den Namen darf ich heute nicht mehr nennen, der mir knallhart ins Gesicht gesagt hat, was ich eigentlich wolle, ich hätte ja eh nur noch zwei Jahre zu leben.

Was geht da auf der Bühne in Ihnen vor?

Wenn mich der Doktor auf der Bühne anschreit, ob ich meine Erbsen schon genommen hätte, da denke ich mir, das ist doch dasselbe Arschloch wie damals. Ich merke dann, wie ich auf der Bühne sofort Wut entwickeln kann, weil der Woyzeck gequält wird, weil ihm Unrecht widerfährt. Da kommt dann viel von früher hoch.

Wie wirkt sich diese persönliche Betroffenheit auf Ihr Spiel aus?

Ich kann dadurch in diesen Momenten die nötige Spannung und Kraft aufbauen, die ich für diese Szenen brauche, in denen alle auf mich einhämmern.

Unter Ihrem Regisseur Thomas Thieme haben Sie in Weimar bereits Brechts „Baal“ und Shakespeare gespielt. Welche Rolle spielt er in Ihrem Leben?

Eine väterliche. Er ist Freund, Ziehvater und Kritiker in einer Person. Thomas würde mich nie ins Verderben schicken. Wenn er merkt, dass ich etwas nicht kann, dann sagt er mir das und zeigt mir, wo ich noch lernen kann..."





23. Oktober 2000/Spiegel Online
Jimmy Hartwig: "Ich hab's auch gemacht" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport



Jimmy Hartwig   - HOMEPAGE


Jimmy Hartwig – Wikipedia

Jimmy Hartwig - Munzinger Biographie

Sonntag, 11. April 2010

sports: What's up?!

 Foto: Michael Jordan, US-Kult-Basketballer und jetzt auch Clubbesitzer, 2006 / Joshua Massel, Original Flickr Source/Creative Commens License 2.0/Wikimedia Commons

Keine Frage: Die Welt blickt an diesem Wochenende nach Augusta/Georgia, wo Tiger Woods allen zeigen will, dass er immer noch der bester Golfer der Welt ist. Und da dieser Sport nicht nur mit sehr viel Prestige sondern auch mit ganz viel Sponoren-Geld daherkommt, scheint Tigers Rechnung auch aufzugehen: "America, please,please take me back!" - und: Amerika hat ihm vergeben!


Golf Masters in Augusta: Glänzender Start von Tiger Woods
Tiger's Return: Still the Master of His Golf Game 
FAZ.NET-Golfkolumne: Des Tigers neuer Respekt vor dem Spiel
US Masters in Augusta: Woods mit starker Auftaktrunde
Woods zeigt wieder Golf erster Güte
Nike, Tiger Woods and the Saddest Ad of All Time
Tiger Woods: Zurück im Klub 
Woods-Comeback in Augusta: Tausende bestaunen Sex-Golfer bei “Masters”-Training
Golfkolumne: Gewinnen hat für Woods eine neue Bedeutung
Comeback nach Sex-Affären: „Tiger“ entschuldigt sich bei den Fans 
Golfprofi Tiger Woods: "Ich war's"
Video | Tiger Woods: "Bin jetzt besserer Mensch" 
Tiger Woods: Reumütig nach Sexsucht-Therapie 
Von den Klatschspalten zurück aufs Green
Comeback nach Affären: Tiger Woods: Rückkehr in Reue
Tiger Woods Talks To Reporters
Tiger Woods: Aus einsamer Höhe
Tiger Woods at the Masters: A Test of Mental Preparation
Vanity-Fair-Bombe über Tiger Woods: Sex in der Küche, Chicken-Wrap für Geliebte
«Woods wird für Augusta bereit sein»
Golfstar gibt TV-Interviews: Tiger Woods: Demut vor dem nächsten Schlag
Tiger Woods ist zurück
Woods bei Masters in alter Form, doch Sex-Skandale überschatten weiter Comeback
Golf-Masters in Augusta: Tiger Woods in Lauerstellung  
US-Masters: Golfstar Tiger Woods mischt vorne mit 
Golf-Masters in Augusta: Woods glaubt an seine Chance
 Von Wolfgang Scheffler, Augusta  / FAZ-NET
"...Der Weltranglistenerste Woods ist zwar noch nicht aus dem Rennen. Er rangiert gemeinsam mit dem 39-jährige Koreaner K.J. Choi auf dem dritten Platz. Allerdings beträgt der Rückstand der beiden, die die dritte Runde in 70 Schlägen absolvierten, auf Westwoods schon vier Schläge. Woods erwischte zwar einen glänzenden Start mit Birdies am ersten und dritten Loch, aber danach verzog er einige Abschläge und zeigte beim Putten ungewohnte Schwächen. „Ich habe den ganzen Tag gekämpft. Schon beim Aufwärmen habe ich mich nicht wohl gefühlt. Es war reine Mühsal, ein harter Tag“, sagte Woods, der sich sofort auf die Driving Range und das Übungsgrün begab, um seinen Schwung und das Feingefühl beim Putten wieder zu finden.
Woods wäre nicht Woods, wenn er nicht glauben würde, das Blatt noch wenden zu können: „Ich liege vier Schläge zurück. Ich habe eine Chance.“ Die Statistik sprach freilich gegen den fünften Sieg von Woods beim Masters. Alle seine bisherigen 14 Major-Siege hatte er gefeiert, wenn er nach drei Runden in Führung lag."
Anfang des Monats schaute die Box-Welt nach London und auf den Briten David Haye, der zum ersten mal seinen Schwergewichts-Weltmeistertitel verteidigen musste, gegen John Ruiz:


Boxen: David Haye: Der Herr des Rings
Von Jürgen Schmieder/sueddeutsche.de

"...Am Nachmittag noch hatte Haye das Fußballspiel zwischen Manchester United und dem FC Chelsea besucht und den Zuschauern seinen WM-Gürtel des Verbandes WBA präsentiert. Dann fuhr er hinüber zur MEN-Arena, wo 20.000 Menschen darauf warteten, dass der Brite zum ersten Mal seinen Titel im Schwergewicht verteidigen würde.
Beim Marsch zum Ring trug Haye keinen Mantel mit überdimensionalem Logo eines Sponsors, sondern ein weißes T-Shirt - freundlich winkte er dem Publikum zu. Auf dem Bildschirm wurde sein neuer Spitzname - eigentlich nennt er sich "Hayemaker" - eingeblendet: "Lord of the ring" - der Herr des Rings.
"Ich glaube, den Zuschauern hat der Kampf heute gefallen", sagte Haye nach dem Kampf. "Es hat unglaublich Spaß gemacht, vor so einer beeindruckenden Kulisse zu kämpfen. Ruiz hat tolle Moral bewiesen und ist immer wieder aufgestanden - er hat wirklich eine Menge einstecken müssen. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung."..."


Für den Basketballer Rashad Wright kommt die große Stunde der Bewährung erst an diesem  Mittwoch, wenn er mit Alba Berlin um 19 Uhr 45 in der Berliner O2-Arena gegen Hapoel Jerusalem antritt im Viertelfinalspiel des Eurocap:


Alba Berlin: Wright hat immer das Ganze im Auge
Von Michael Reinsch, Berlin /FAZ-NET
"Für dieses Spiel hat Rashad Wright buchstäblich ein Auge riskiert. Mit einem Erfolg bei Joventud Badalona sicherte sich Alba Berlin vor drei Wochen den Gruppensieg und die Viertelfinalspiele im Eurocup. Mehr als 14.000 Zuschauer werden an diesem Mittwochabend in der O2 World von Berlin zur Partie gegen Hapoel Jerusalem (19.45 Uhr) erwartet. Doch beinahe wäre für Wright, den amerikanischen Aufbauspieler der Berliner, in Spanien schon Schluss gewesen mit der Saison. Sein Gegenspieler fuhr ihm bei einer Abwehr mit dem Finger tief ins rechte Auge. „Den Schmerz habe ich nur in dem Moment gespürt“, erinnert sich Wright. „Aber als die Ärztin mir am nächsten Tag sagte, dass sich die Netzhaut ablösen könnte, da fühlte sich das merkwürdig an. Ich hätte mein Augenlicht verlieren, ich hätte für den Rest der Saison ausfallen können. Ich hatte wirklich Angst.“...
Zum ersten Mal, seit er Amerika verlassen hat, verlängerte Wright seinen Vertrag in Berlin. „Ich hatte das Gefühl, dass wir in der vergangenen Saison etwas verpasst haben“, sagt er über die verlorene deutsche Meisterschaft. „Da die Mannschaft weitgehend zusammengeblieben ist, war mir die Chance, es in diesem Jahr zu schaffen, lieber, als irgendwo anders mehr Geld zu verdienen.“ Von der NBA träumt er dabei nicht. „Ich will spielen, nicht auf der Bank sitzen“, sagt er. Seit zwei Jahren bietet er sich deshalb nicht mehr in der Sommerliga den Scouts der großen Klubs an, sondern schöpft Kraft für die Herausforderungen in Europa.
Mag sein, dass die amerikanischen Experten nicht zu schätzen wissen, wie Wright sein Team stärkt, statt individuell zu glänzen. Auf knapp neun Punkte kommt er im Schnitt pro Spiel, doch wichtiger sind seine Übersicht und seine Pässe, von denen im Schnitt 3,4 pro Spiel zu Treffern führen. „Wir haben einige, die in anderen Teams die Hauptrolle spielen würden“, sagt er. „Hier ordnet sich jeder ein und unterstützt die anderen. Mein Job und der von Steffen Hamann ist es, die Mannschaft zu lenken.“ Wenn es sein muss, wie am Samstag beim 63:61 gegen Quakenbrück, steuert er auch mal fünfzehn Punkte bei. Besonders süß dürfte dabei der Jubel geklungen haben, als er den früheren Berliner Publikumsliebling Hollis Price ausspielte..."

Basketball ist auch das Spiel von Derrick Allen, der für die Frankfurt Skyliners auf dem Feld steht. Leonhard Kazda stellt "das Rennpferd der Skyliners" in einem interessanten Porträt vor:



Derrick Allen: Weil ich es will
 Von Leonhard Kazda, Frankfurt / FAZ-NET

"...Zuerst kommt bei Allen immer die Mannschaft - eine für amerikanische Profis typische Haltung, die sich manchmal allerdings nur als Floskel erweist. Bei Allen ist das anders. Er ist ein Dauerläufer, einer, der nie aufgibt. Er ist kaum zu bremsen in seinem schier unermüdlichen Streben nach sportlichem Erfolg. Und nur sich selbst hat er dabei so gut wie nie im Blick.Von Verletzungen ist er bislang weitgehend verschont geblieben. Kleinere Blessuren steckt er meist weg, ohne groß darüber zu reden. Er ist also ein Profi ganz nach dem Geschmack von Trainer Didin, der Allen einmal als „das Rennpferd der Skyliners“ bezeichnet hat. Laute Töne sind dem stillen Mann aus Alabama fremd. Er sei manchmal unnötig emotional, sagt Didin über Allen und meint damit vor allem die Tatsache, dass sich der Power Forward über missglückte Aktionen mehr ärgert, als dies andere tun.Den Ärger aber lässt der Amerikaner selten heraus. Meist sind seine Gefühle nur an seinen knappen, harten Gesten und einem bitteren Gesichtsausdruck zu erkennen, der untypisch für ihn ist. Seit sechs Jahren lebt Allen in Deutschland. Er hat zwei Jahre in Karlsruhe und eines in Leverkusen gespielt, bevor er 2007 nach Frankfurt kam. Seine erste Station außerhalb der Vereinigten Staaten war Island. Kalt sei es da gewesen, sagt Allen, „aber ich hatte da eine gute Zeit.“ Dass der Korbjäger gerne Fußballspiele sieht, hat etwas mit seiner Jugend zu tun, in der er alles Mögliche an Sport gemacht habe, aber hauptsächlich eines: Soccer. In Leverkusen sei er oft im Stadion gewesen, erzählt Allen; zu einem Spiel der Frankfurter Eintracht habe er es in den drei Jahren am Main aber noch nicht geschafft.
Erst mit 15 Jahren hat er mit dem Basketball angefangen. In Gadsten in Alabama ist er aufgewachsen, einer Stadt mit etwa 100.000 Einwohnern. Viel Stahlindustrie gebe es dort, sagt Allen, dessen Vater sein Geld als Stahlarbeiter verdient hat. Jeden Sommer, wenn die Bundesligasaison vorüber ist, kehrt Allen in seine Heimatstadt zurück und besucht seine Mutter. Wer glaubt, er würde sich da auf eine Veranda zurückziehen und sich in einem Schaukelstuhl zurücklehnen, um Mamas selbstgemachte Limonade zu schlürfen, irrt. Der Amerikaner ist Basketballprofi durch und durch - und deshalb tut er in der spielfreien Zeit das, was er sonst auch macht: trainieren. Fast jeden Tag fahre er dann in die fast zwei Autostunden entfernte, im benachbarten Bundesstaat Georgia liegende Metropole Atlanta, um dort zusammen mit Profis wie dem Berliner Julius Jenkins oder Brandon Brooks und Kevin Lyde von den Eisbären Bremerhaven mit einen gemeinsamen Trainer Basketball zu üben. Immer noch ein bisschen besser, immer noch ein wenig mehr - das ist die Arbeitsweise von Derrick Allen. „Talent ist Voraussetzung“, sagt Sportdirektor Novak, „aber ab einem gewissen Level geht es eben nur noch mit harter Arbeit.“ Und dieses Level ist bei Allen hoch. Das gilt auch für den Aufwand, den der Amerikaner betreibt, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres auf der Welt. „Nein“, antwortet er verwundert auf die Frage nach seinem Antrieb. „Ich muss das nicht tun. Ich will es.“..."
Was Basketball wirklich sein kann, das weiß keiner besser als Ball-Legende Michael Jordan. Kein Wunder, dass er für diesen Sport weiterhin zu allem bereit ist:

Michael Jordan: Chef für 275 Millionen Dollar
Von Jürgen Kalwa, New York / FAZ-NET

"Nichts kann das sportliche Schicksal einer Basketballmannschaft derart radikal wenden wie die Verpflichtung eines Nachwuchsspielers mit außergewöhnlichen Talenten. Wenn das jemand versteht, dann Michael Jordan. Der wurde 1984 von den Chicago Bulls verpflichtet, als sie im Tabellenkeller der NBA logierten. Nur wenige Jahre später waren sie das dominierende Team. „Air Jordan“ wurde zu einem Überflieger mit Werbeverträgen, die ihm noch heute rund 30 Millionen Dollar pro anno einbringen.
Andere würden sich nach einer solchen Karriere bequem zur Ruhe setzen. Aber Jordan, berühmt für seine teuren Ausflüge ins Casino und hohen Wettverluste beim Spiel auf dem Golfplatz, kommt vom Basketball nicht los. Vor ein paar Wochen pumpte er 275 Millionen Dollar in die Charlotte Bobcats in seinem Heimatstaat North Carolina und übernahm damit die volle Verantwortung für den Klub, an dem er vorher nur einen kleinen Anteil gehalten hatte. „Ich will, dass die Stadt erlebt, was Gewinnen heißt“, sagte er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Kauf...."
Michael Jordan – Wikipedia 


NEWS

Venus Willams unterstreicht Topform 

Semenyas Anwälte drohen mit Klage
Der Fall Semenya: "Es muss endlich eine Lösung her"

Semenya weiterhin nur Zuschauerin

Und wenige Wochen vor der WM in Südafrika wollen wir auch noch einen deutschen Nationalspieler besser kennenlernen, der in Brasilien geboren wurde und auch dort aufgewachsen ist:

Cacau im Gespräch: „Weltmeister mit Deutschland? Warum nicht!“  


"Seit Cacau 2003 von Nürnberg nach Stuttgart wechselte, ging es für ihn beständig bergauf. Mittlerweile hat der gebürtige Brasilianer sogar den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft geschafft. Im F.A.S.-Interview spricht er über brasilianisches Blut, Armut und Wohlstand, seinen Glauben und die Gefahren des Aufstiegs:

Viele Ihrer Kollegen, Spieler, die aus Brasilien kommen, leben in der Fußball-Bundesliga wie im Exil. Deutschland ist für sie eine große Fabrik, sie bleiben unter sich, lernen die Sprache nicht. Sie hingegen sprechen perfekt Deutsch, haben seit letztem Jahr einen deutschen Pass, sind mit Ihrer Familie völlig integriert. Warum hat sich das bei Ihnen in diese Richtung entwickelt? 

Ich hätte mich vielleicht auch anders entwickelt, wenn ich niemanden gehabt hätte, der mir gesagt hat, dass das wichtig ist. Der Freund, der mich nach Deutschland geholt hat, Osmar de Oliveira, der auch heute noch mein Berater ist, hat gesagt: Wenn du die Sprache nicht kannst, wirst du scheitern. So war die Sprache für mich von Anfang an das Wichtigste. Und ich wollte auch die Kultur verstehen, und man kann die Kultur eines Landes nicht ohne seine Sprache verstehen.....

...Sie sind mit 18 nach Deutschland gekommen. Brasilien ist das Land Ihrer Kindheit. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Ich bin noch sehr mit Brasilien verbunden. Meine Mutter lebt dort, meine Brüder, die Verbundenheit ist groß, es fließt brasilianisches Blut in mir, und das wird auch immer so bleiben. An meine Kindheit habe ich sehr gute Erinnerungen. Ich habe sie genossen, habe viel gespielt und Spaß gehabt.

Es ist nicht so, dass Armut und Verzicht Ihre Erinnerungen bestimmen?

Nein, das andere überwiegt. Wir haben auch sehr viel gelitten als Familie. Meine Mutter hat als Putzfrau gearbeitet und musste alleine für uns sorgen. Mein Vater hatte uns verlassen, hatte Alkoholprobleme, heute geht es ihm besser, wir haben wieder Kontakt zueinander. Ja, die schweren Zeiten, das sind auch Erinnerungen, die ich mitgenommen habe, aber ich nehme sie eher als Lehre, die mir zeigt, dass ich das, was ich heute habe, genießen kann. Und dass ich nicht verzweifle, wenn etwas schiefläuft....

...Wenn Sie schauen, was ein Fußballstar heute verdient und was arme Menschen in Brasilien oder auch in Deutschland zur Verfügung haben, was denken Sie da?

Am Anfang habe ich mir Vorwürfe gemacht. Warum habe ich so viel, warum haben andere so wenig? Aber heute sehe ich das als Geschenk. Ich glaube fest daran, dass Gott mir diese Möglichkeit gegeben hat, und ich gehe auch ganz normal damit um. Ich weiß, dass es vielen Leuten schlechtgeht, und ich weiß das besser als die meisten, weil ich von der anderen Seite komme. Ich kenne beide Seiten, Armut und Wohlstand, ich kann beide Seiten verstehen. Ich versuche, ein Gleichgewicht zu finden für mich. Ich weiß, dass ich so leben kann wie jetzt, aber ich weiß auch, dass ich anders leben kann.

Die üblichen Accessoires von sozialen Aufsteigern im Fußball sucht man bei Ihnen vergebens: keine Sportwagen, keine teure Uhren, keine Goldketten. Sie stellen Luxus nicht zur Schau, das ist ungewöhnlich.

Es gibt viele, die sich in dieser Situation nicht zurechtfinden, die gar nichts hatten und auf einmal, wenn sie plötzlich viel haben, möglichst viel ausgeben, um einfach zu zeigen, jetzt hab ich was. Ich hatte das Glück, immer gute Berater zu haben, meine Mutter hat mich gut erzogen, ich bin immer in einem Umfeld aufgewachsen, wo die Leute mich gewarnt haben vor dieser Gefahr. Die Gefahr war da, sie ist immer noch da. Aber es ist die Frage, wie man mit ihr umgeht. Wenn man auf die richtigen Menschen hört, hat man es einfacher....

...Sie engagieren sich für die Kindersuchthilfe. Was hat es mit diesem Projekt auf sich?

Das ist eine Stiftung, die Kindern hilft, deren Eltern alkoholabhängig sind. Das hat mich sehr angesprochen, denn das ist genau das, was ich selbst erlebt habe. Ich möchte den Kindern helfen, dass ihre soziale Situation nicht das Ende für sie ist, sondern ein Anfang sein kann. Ich arbeite gern mit Kindern, und wenn das von jemandem kommt, der bekannt ist und der das alles auch schon erlebt hat, dann ist das, glaube ich, sehr authentisch. Ich kann diesen Kindern mit meiner Geschichte und meinen Erfahrungen helfen. Deshalb bin ich Repräsentant dieser Stiftung geworden.

Welche sportlichen Träume haben Sie?

Bei der WM in Südafrika dabei zu sein, das ist ein Traum, der zu realisieren ist. Und dort auch eine wichtige Rolle zu spielen. Und warum sollte ich mit Deutschland nicht auch Weltmeister werden?..."
Das Gespräch führte Michael Eder.


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