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| 2003 löste sich die Band vorübergehend auf. Nadja Benaissa nahm sich Zeit für ihre 1999 geborene Tochter Leila. 2005 startete sie dann eine Solokarriere. Obwohl sie im gleichen Jahr im Vorprogramm von Simpley Red auftrat, wollte sich der Erfolg nicht so richtig einstellen © Picture Alliance/STERN.de/Fotostrecke zu: Nadja Benaissa: Der Prozess nach der Medienschlacht - S.3 - Lifestyle | STERN.DE |
"Ein landesweit bekannter Popstar ist HIV positiv, soll mehrfach ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt und dabei mindestens einen Mann infiziert haben. Die Presselandschaft in Deutschland überschlug sich im April 2009, als diese pikanten Details über Nadja Benaissa bekannt wurden, Sängerin der No Angels. Die Informationen kamen jedoch nicht durch harte Recherche von Journalisten ans Licht der Öffentlichkeit, sondern wurden den Medien auf dem Silbertablett serviert - ausgerechnet von der Staatsanwaltschaft Darmstadt, die derart Intimes in einer Pressemitteilung ausplauderte. Unter anderem heißt es darin, es bestehe der dringende Tatverdacht, "dass die Beschuldigte in den Jahren 2004 und 2006 ungeschützten Geschlechtsverkehr mit 3 Personen hatte, ohne diese zuvor darauf hinzuweisen, dass sie selbst HIV positiv ist"...
...Verantwortlich für diesen medialen Druck ist für viele die freizügige Öffentlichkeitsarbeit der Staatsanwaltschaft Darmstadt. Die Deutsche Aidshilfe sprach von "einer modernen Form der Hexenjagd". Auch ihr Medienanwalt Christian Schertz übte Kritik an den Behörden: Die Abwägung der Interessen hätte dazu führen müssen, "dass eine behördliche Erklärung über den Tatvorwurf hier unterbleibt". Er warf der Staatsanwaltschaft vor, die Pressemitteilung stehe "nicht im Einklang mit den geltenden Vorschriften des Landespressegesetzes".Genau darauf berief sich damals aber der Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt, Ger Neuber. Auf Anfrage von stern.de rechtfertigt er seine damalige Presseerklärung damit, er sei "nach dem hessischen Pressegesetz verpflichtet, so zu handeln". Rückendeckung bekam Neuber von seinem obersten Dienstherrn. Am 29. April 2009 erklärte Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) im Landtag, dass an der Informationspolitik der Staatsanwaltschaft im Fall Benaissa nichts zu beanstanden sei.Es geht hier um zwei Prinzipien, die sich widersprechen: Auf der einen Seite steht das Recht der Öffentlichkeit, über laufende Verfahren informiert zu werden. Auf der anderen Seite muss das Persönlichkeitsrecht der betroffenen Person gewahrt werden. Das hessische Landespressegesetz besagt, dass Medien Anspruch auf Information durch die Behörden hätten. Es gibt aber Einschränkungen, wie Jochen Wurster, Fachanwalt für Strafrecht erklärt. So bestehe kein Anspruch auf solche Informationen, die persönliche Angelegenheiten Einzelner beträfen und an deren öffentlicher Bekanntgabe kein berechtigtes Interesse bestehe. Die Staatsanwaltschaft hätte demnach von dem Verfahren wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung berichten dürfen - allerdings ohne die HIV-Infektion der Sängerin zu erwähnen.Die Staatsanwaltschaft hat in diesem Fall eine Abwägung zuungunsten von Nadja Benaissas Persönlichkeitsrechten getroffen. Eine Entscheidung, die auch beim Berliner Landesgericht auf wenig Verständnis stieß. Es untersagte damals der "Bild"-Zeitung, weiter über diesen Fall zu berichten - und kritisierte damit indirekt die Staatsanwaltschaft Darmstadt. Deren Pressesprecher Ger Neuber räumte damals auf Nachfrage von stern.de ein: "Ich muss darin eine Kritik an der hiesigen Pressearbeit sehen."..."
"...Der Fall von Nadja Benaissa könnte kaum tiefer sein. Von Montag an muss sich die 28-jährige Sängerin der erfolgreichsten Castingband Deutschlands, den No Angels, vor dem Darmstadter Amtsgericht verantworten. Der Vorwurf gegen sie hatte großes Aufsehen erregt. Gefährliche Körperverletzung lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft, sie habe ihren Körper als „Biowaffe“ eingesetzt schrieb die Boulevardpresse...
...Aufstieg und Absturz, Erfolge und Burn-out, Millionen verkaufter Alben als glitzernder No-Angel-Star und am Ostersamstag vergangenen Jahres schließlich die Festnahme in einem Frankfurter Nachtclub, kurz vor einer Soloshow. Das Leben von Nadja Benaissa ist eine einzige Achterbahnfahrt, mit vielen Höhen und noch mehr Tiefen. Zehn Tage lang saß die Musikerin in Untersuchungshaft und durfte nur unter strengen Auflagen das Frauengefängnis wieder verlassen. Viele kritisierten damals, die Justiz gebe die Frau der öffentlichen Neugier preis.
Als Infizierte geoutet wurde der Retorten-Popstar in einer Presseerklärung der Ermittlungsbehörden. Ein Vorgehen, das ebenso wie die öffentlichkeitswirksame Verhaftung heftig umstritten war und eine neue Debatte über den Umgang mit HIV-Positiven ausgelöst hat. „Die hessische Justiz will offenbar ein Exempel statuieren“, kritisierte etwa die Deutsche Aids-Hilfe und bezeichnete die spektakuläre Festnahme vor einer Disco als unverhältnismäßig...
...Dabei kennt sie die Ängste, die das Virus auslöst, genau. „Es ist immer noch ein Ausnahmezustand“, gestand sie in einem Fernsehinterview und erzählte, wie sehr sie dafür gekämpft habe, dass nicht alle Welt von ihrem Geheimnis erfahre. Nur wenige Vertraute wussten Bescheid, ihre Tochter, inzwischen zehn Jahre alt, gehörte nicht dazu.
Einen Neuanfang wünscht sich der Star, der längst keiner mehr ist. Die letzte Tour mit den No Angels hatte die alleinerziehende Mutter im vergangenen Mai kurzfristig abgesagt – aus gesundheitlichen Gründen. Jetzt versucht sie ihr Glück mit einer Biografie, die im Oktober erscheinen soll und die einen einen bezeichnenden Titel tragen wird: „Nadja Benaissa – Alles wird gut.“
"...Ein Rundfunkmoderator und sein weiblicher Studiogast reden über Sex. Es geht nicht um das Sexualverhalten der Deutschen, nicht um Sextipps oder -probleme; es geht einzig und allein um das Sexleben der Frau, Nadja Benaissa, geboren 1982 im südhessischen Langen, Sängerin der „No Angels“, die HIV-positiv ist.Ob das Wissen um ihre Infektion ihren Sex irgendwie verändere, will der Moderator wissen (Benaissa: Ja, natürlich, die Spontaneität sei schon eingeschränkt). Was ihr während des Beischlafs durch den Kopf gehe, will er wissen – Gedanken über die Ansteckungsgefahr, „oder lässt man sich nur auf den Sex ein?“ (Ja, manchmal sei es schwierig, sich einfach fallen zu lassen). Der Moderator dankt am Ende, findet es „verdammt cool“, wie Benaissa auftrete: „Vor einem Jahr hast du zu Recht gesagt, das ist meine private Sache, und jetzt stehst du hier und plauderst doch sehr intimes Zeug aus.“ Warum die Frau das tut, warum sie dem Moderator jede dreiste Frage höflich beantwortet und sich am Ende derart verhöhnen lassen muss, warum sie ihm nicht eine Ohrfeige verpasst und das Studio verlässt – all das ist eigentlich nicht zu begreifen.Erklärbar wird die Szene im Studio des HR-Jugendsenders YouFM am Welt-Aids-Tag, Dezember 2009, nur, wenn man sich die wechselvolle Geschichte Benaissas vor Augen hält – vor allem die Rolle, die ihr aufgezwungen wurde, seit sie durch eine Festnahme im April 2009 zum „Fall Benaissa“ wurde. Dieser wird ab kommenden Montag am Darmstädter Amtsgericht verhandelt. Die Frage, die dort geklärt werden soll, und die hinter den penetranten Fragen vieler Interviewer steckt: Hat die heute 28-Jährige im Jahr 2004 einen Sexualpartner beim ungeschützten Sex mit dem HI-Virus infiziert – und ihn zuvor nicht über die Risiken informiert?Der Vorwurf lautet auf „vollendete gefährliche Körperverletzung“. Zeuge der Anklage ist ein Frankfurter Künstlerbetreuer, der die Sängerin bereits 2008 angezeigt hat. Dazu kommt der Vorwurf „versuchter gefährlicher Körperverletzung“ in vier weiteren Fällen, die sich seit dem Jahr 2000 zugetragen haben sollen. Weil Benaissa damals noch 17 war, verhandelt ein Jugendschöffengericht: Richter Dennis Wacker, 43, sowie zwei Schöffen, die den Berufsrichter überstimmen können. Sollte das Gericht sie für schuldig halten, drohen der Angeklagten bis zu zehn Jahre Haft. Fünf Prozesstage sind bisher anberaumt.Dass sich die Tat nach so langer Zeit beweisen lässt, wird von juristischen wie medizinischen Experten angezweifelt. Und die teils reißerischen Geschichten und Spekulationen, die seit der vorübergehenden Inhaftierung Benaissas vor einem Solokonzert im April 2009 durch den Blätterwald rauschten, dürften auch wenig hilfreich gewesen sein. Vor allem Bild-Zeitung und Staatsanwaltschaft machten schon zu Beginn intime Details aus dem Sexualleben der Sängerin publik. Nicht nur ein faires Urteil, sondern auch ein faires Verfahren zu gewährleisten: Das wird für Richter und Schöffen durch diese Umstände zur besonderen Herausforderung.
„No Angels-Star Nadja nachts in der Disco verhaftet!“, meldet der Lokalteil der Bild-Zeitung in seiner Osterausgabe 2009, und: „Es geht um schwere Körperverletzung“. Um welche Art von Verletzung, bleibt offen, bis sich kurz darauf die Staatsanwaltschaft an die Presse wendet. Es bestehe der „dringende Tatverdacht“ gegen „eine 26-jährige Sängerin“, die „ungeschützten Geschlechtsverkehr mit drei Personen hatte, ohne diese zuvor darauf hinzuweisen, dass sie selbst HIV-positiv ist“. Den Namen erwähnt die Staatsanwaltschaft nicht. Jeder kann ihn sich denken. „No Angels-Star Nadja HIV-positiv“ lautet nun die Schlagzeile in der Bild am nächsten Tag. Und: „U-Haft, um Männer vor Ansteckung zu schützen!“Die groteske Vorstellung verfängt zumindest bei einigen. Von Infizierten, die ihren „Körper als Bio-Waffe“ einsetzen, redet kurz darauf der SPD-Abgeordnete Siegmund Ehrmann; ein Sprecher der Frankfurter Aids-Hilfe, Jörg Litwinschuh, wiederum vergleicht das Vorgehen der Justiz mit einer „Hexenjagd“. In der FR erinnert der Strafrechtler Winfried Hassemer, vormals Verfassungsrichter, daran, „dass das Ermittlungsverfahren im Grunde ein geheimes Verfahren ist“. Und: „Man muss vorsichtig sein, wenn man dieses große Rad anwirft.“Doch das Rad rotiert bereits auf Hochtouren. Staatsanwalt Ger Neu-ber taucht nun in Talkshows auf, um seine Auskunftsfreudigkeit zu rechtfertigen. In der FR erklärt er im April 2009: Die Behörde habe angesichts der Schwere der Vorwürfe in Kauf nehmen müssen, „den Ruf der jungen Frau in gewisser Weise zu schädigen“.Heute, kurz vor Prozessbeginn, weist er nach wie vor jede Kritik von sich. „Von uns aus wären wir nie an die Öffentlichkeit gegangen“, sagt er auf Anfrage. Seine Behörde habe auf den „medialen Druck“ reagieren müssen, „weil da ja erhebliche Spekulationen durch die Welt geisterten“. Freilich: Erst die Details der Staatsanwaltschaft haben den medialen Druck so richtig erhöht...."
"...Benaissa wird ein Fall von gefährlicher Körperverletzung aus dem Jahr 2004 vorgeworfen, dazu kommen noch vier Fälle von versuchter gefährlicher Körperverletzung aus den Jahren 2000 bis 2004. Da die Angeklagte beim ältesten Tatvorwurf aus dem 2000 erst 17 Jahre alt war, muss sie sich vor einem Jugendschöffengericht verantworten. Der Vorsitzende ist Richter Dennis Wacker (43).
Unter den rund 20 Zeugen sind auch die drei Band-Kolleginnen. Außerdem soll ein Sachverständiger gehört werden. Der Mann, den Benaissa angesteckt haben soll, tritt als Nebenkläger auf.
„Wir erwarten ein großes Interesse“, sagt der Sprecher des Amtsgerichts, Albrecht Simon. Deshalb wird im Saal 3 des Landgerichts verhandelt, in dem etwa 50 Zuschauer Platz finden: „Das ist der größte Saal der Justiz in Darmstadt.“
Es sind auch besondere Sicherheitsvorkehrungen geplant. So soll es zwei Einlasskontrollen geben - einmal am Haupteingang des Gerichts und dann noch einmal vor dem Verhandlungssaal. Dabei suchen die Beamten auch nach Waffen. Handys müssen ausgeschaltet werden. Fans dürfen keine Fotos machen oder Teile der Verhandlung filmen...."
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| 2008 traten die No Angels dann noch einmal ins Rampenlicht: Mit ihrem Song "Disappear" gewannen sie den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest hauchdünn und durften Deutschland in Belgrad vertreten. Der große Abend endete jedoch mit einem Debakel: die vier Sängerinnen landeten auf dem 23. Platz von 25 Teilnehmern © DDP/STERN.de/Fotostrecke zu: Nadja Benaissa: Der Prozess nach der Medienschlacht - S.3 - Lifestyle | STERN.DE |
"....Nadja Benaissa zeigt eine erstaunliche innere Stärke. Dabei hatte sie zuvor gestanden, „kaum Kraft zum Weiterleben zu haben“. Das war direkt nach dem 11. April 2009. Damals, am Ostersamstag, war sie auf spektakuläre Weise verhaftet worden: direkt nach dem Auftritt in einer Frankfurter Disco und vor den Augen von Hunderten von Fans.
Zehn Tage saß sie in Untersuchungshaft und stand öffentlich am Pranger. Als „eiskalter Todesengel“ wurde die 28-Jährige in Internet-Foren beschimpft. Ohne Beispiel war das Vorgehen der Staatsanwaltschaft: der Polizeieinsatz bedeutete ein amtliches Zwangsouting.
„Ich dachte, nicht nur mein Leben ist zerstört, auch das meiner Tochter“, so Nadja. Ihre Tochter Leila war damals neun Jahre alt, nicht HIV-infiziert. Das Drama kam für sie ohne Vorwarnung. Sie wurde auf dem Schulhof beschimpft. „Ich wollte es Leila natürlich irgendwann selbst erzählen“, so Nadja, „aber sie war noch so kindlich.“
Im No-Angels-Trubel wirkte Nadja oft selbst noch wie ein Kind. Während die anderen sich selbstbewusst in Szene setzten, besonders die rivalisierenden Alpha-Girls Sandy und Vanessa, saß der jüngste Engel gerne etwas abseits – und konnte wie ein verträumter Teenager schweigen.
Was viele gar nicht wahrnahmen: Sie war oft einfach müde, weil sie sich in jeder freien Minute um ihr Baby kümmerte. Dass sie eine alleinerziehende Mutter war, darüber redete sie anfangs nicht gerne. Genau wie über die unzähligen Bücher, die sie stets mitschleppte und zwischen den Auftritten verschlang.
Nadja Benaissa, Tochter eines Marokkaners und einer Deutsch-Serbin, passt nicht ins Schema heutiger aufgeheizter „Superstar“-Karrieren. Nadja wuchs wohl behütet in einer Reihenhaus-Idylle auf. Sie besuchte das Gymnasium, lernte früh Blockflöte und Klavier, spielte im Schultheater. Doch irgendwann, mit 14 oder 15, rutschte sie ab. Sie schloss sich einer ziemlich rauen Rockband an. Sie geriet an Drogen und an falsche Freunde. Abbruch des Gymnasiums.
Erst mit den No Angels verließ sie das schwarze Loch wieder. Vor den Gästen der Berliner Aids-Gala sagte sie dazu: „Ich wünschte, ich hätte manchmal mehr auf meine Eltern gehört, wenn sie mir immer predigten: ,Nadja, komm nicht so spät nach Hause, geh nur mit den netten Jungs aus – und benutz Kondome!’
Glauben Sie mir, es gibt keinen Tag, an dem ich nicht bereue, in einer einzigen Nacht nicht die richtige Vorsorge getroffen zu haben.“ Nadjas Charakter kann durchaus irritieren. Mal wirkt sie gedankenverloren und abweisend. Und dann ist sie diejenige, die sich im Foto-Studio von allen Girls in die heißesten Posen wirft. Dass sie dabei keine Unschuldsmine auflegt, hat manchen Reporter zu wilden Spekulationen getrieben.
Natürlich erst recht, als die Aids-Story und böse Gerüchte im Internet auftauchten. Anderseits zeigt Nadja in Interviews eine erstaunliche Sprachgewandtheit – und die Fähigkeit, über sich und ihr ungewöhnliches Leben kritisch zu reflektieren.
Auf die Frage, wen sie sehe, wenn sie in den Spiegel schaue, antwortete sie einmal: „Eine junge, mal mehr, mal weniger ausgeglichene, auf gar keinen Fall vollkommene Frau.“
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Nachdenklich und trotzdem zuversichtlich: Nadja Benaissa hat alles erlebt – vom glamourösen Aufstieg bis zum bitteren Sturz. ddp/Berliner Kurier |
To wait for the bus on that hot late afternoon I was sitting down on a bench in the little shelter at the downtown busstop. All arround me the commuter-traffic was flooding, everywhere on the streets (here in the middle of the Berlin City). On the cars lots of Germany-flags, small german flags and "Fläckchen" (very small german flags) were tied because in only a few hours the World-Cup-game Ghana against Germany would be kicked off.
Someone had left an empty beer-bottle in the busshelter, standing on the seat next to me. Well, I just hope, that nobody would take me as an old Brandy-sister, I was thinking, because I was so tired and I felt so exhausted in this shimmering asphalt-heat and with these awfull car-exhaust-odeurs all over the city.
The young Black man came straight towards me on the sidewalk, taking gentle little curves - to avoid to hit the pedestrians and the streetsigns - pulling up on his bike right in front of me. There he stopped and asked me, if this was my bottle, and I hurried up to denie this. So after all - I was actually just thinking, beeing a little embaressed, too -this stupid beerbottle does look as if it is related to me! - when a bus turned the corner. "No, it's not mine. Sure, you can take it," I said to the young man quickly and than I started for the busstop, only a few steps away. My mind was already set on getting on the bus and on to my next destination.
"No, please, no! ", I heard the young African say, very softly and with a shy little smile on his face. He made a soothing gesture in my direction: "Please, don't worry, I just want to take the bottle ! " I guess, I must have looked quite stunned at him, because right away I couldn't follow his thoughts at all - and because the bus was just pulling up. "No, I 'm not afraid , I just wanted to see my bus ....!," I responded quickly - and in this very second I could already sence the impossibility, the enormousness of this moment - but it only took the blink of an eye and it was gone.
During the busride I tried to figgure out what it was that had made this short encounter so very special. I had seen a young African in Berlin who was obviously searching the street-litter-bins for bottles. Lately many people around here are doing so - and it has been quite some time since that were obviously homeless people: little old ladies with very low pensions do it now, neat and tastefully dressed, children do it, who want to buy themselves something special out of the line, and even ordinary middle-class-looking men do it sometimes. They are the ones who do it quickly, sometimes pretending something has fallen into the trash and they have to search for it now.
Well, as far as I can remember I hadn't seen any Africans doing it yet - but that sure was not the significant point about that special moment. The fact was however, that the young man had been convinced that I had been affraid (of him!) because I did get up real quick, as he had approached me and that beerbottle. And I wasn't even sure whether he had heard my fast, embarrassed answer. But there was no doubt that whatever else I would have said, it would not have been sufficient anyway . It would have needed time and a real conversation to get close enough for a mutural understanding - beyond fear and beeing concerned or shocked, by whatever.
Yes, I would like to talk to him, this young African man, for he must be a very nice and sensitive person: He had been willing to protect me against my own fears (of him!), me that stranger, that little older German woman.
But only later that night, on my PC - when I learned about the following press-release by the Berlin Police - I truely recognized the full complexity, the total absurdity of this very special moment: It should have been HIM, who should have been afraid. And it should have been me, who should have given him protection and care. Or at least who should have been explaining to him why young Africans and other Black people need to be affraid, even better full of fear in my country (in the middle of bustling Berlin, surrounded this evening by countless people in the subway). Affraid not only of crazy, violent idiots - but also of the German police.
But how, as I don't understand it myself?!
Plakat und Text übernommen aus der Junge Welt. DANKE!Foto: Angela Davis 2006/Nick Wiebe/GNU-Free-Documentation-License 1.2/Wikimedia Commons
...Anfang der 70er wurde die sozialistische Bürgerrechtlerin Angela Davis zur Ikone der Black-Power-Bewegung. Die Philosophiedozentin befand sich in höchster Lebensgefahr, erst wurde sie vom FBI als »einer der zehn gefährlichsten Verbrecher der USA« gejagt, schließlich verhaftet und im kalifornischen Knast eingesperrt, wo ihr aufgrund einer manipulierten Anklage die Todesstrafe drohte. Für ihre Freilassung entwickelte sich eine weltweite Solidaritätskampagne, auch in den realsozialistsichen Staaten, besonders in der DDR, aus der Hunderttausende Protestbriefe in die USA geschickt wurden.Schwarze Stars wie Aretha Franklin, Quincy Jones oder Sammy Davis jr. gaben Solidaritätskonzerte. 1972 wurde Davis 1972 in allen Punkten freigesprochen....
"....Sie sind gerade für den DFB nach Kapstadt gereist und haben in einer südafrikanischen Township mit Kids von der Straße einen Fußballworkshop gemacht.
Moment mal: Ich bin auf eigene Kosten gereist, und das Ganze ist eine Initiative des privaten Projekts „Auf Ballhöhe“, das seit Jahren Jugendarbeit in Südafrika betreibt. Daran ist der DFB nur als Förderer beteiligt.
Der superreiche DFB hat für diese Aktion kurz vor der WM in Südafrika nichts bezahlt?
Nicht für mich. Doch mir war es das wert. Ich habe zwei Wochen mit Jungs trainiert, die nach Anerkennung lechzen, die aus ihrer materiellen Misere herauswollen und dafür kämpfen, ohne zu klagen. Sie lachen und tanzen und geben den Glauben an die Zukunft nicht auf. Das ist kein Kitsch. Manchmal habe ich an die Lowald-Siedlung in Offenbach zurückdenken müssen, wo ich aufwuchs. Das ist meine Township gewesen.
War das Ihr stärkster Eindruck?
Nein, das war der Besuch auf Robben Island in der ehemaligen Gefängniszelle von Nelson Mandela. Ein Tisch, ein Stuhl, eine fünf Zentimeter dicke Filzmatte zum Schlafen, daneben ein roter Blecheimer für die Notdurft. Da hat Mandela 27 Jahre gelebt und ist am Ende rausgekommen und hat statt Hass und Gewalt Versöhnung und Nächstenliebe gelehrt. Ich durfte mich ausnahmsweise auf seine Schlafmatte legen. Da bekam ich eine Gänsehaut. Früher habe ich mich für meine Hautfarbe geschämt, seit diesem Erlebnis bin ich stolz darauf...
....Nach dem Stürmer Erwin Kostedde waren Sie Anfang der 80er Jahre der einzige farbige deutsche Nationalspieler. Und nach Ihnen kam lange Zeit keiner mehr.
Wenn jetzt ein dunkelhäutiger Rapper – auch einer mit großer Klappe – zum Bestsellerautor wird und sein Leben verfilmt kriegt, dann ist das für mich wie eine andere Welt. Ich bin knapp zehn Jahre nach dem Krieg geboren, da war noch die ganze Nazizeit in den Köpfen drin. „Beim Adolf hätte es das nicht gegeben, dass hier ein Neger bei uns rumläuft!“, das habe ich als Schulkind tagtäglich gehört.
Auch beim Fußball?
„Du Negerschwein“, das hörte ich auch auf dem Platz. Aber mein erster Jugendtrainer bei den Offenbacher Kickers hat mein Talent sofort erkannt. Er hat mich auch gegen alle Anzüglichkeiten verteidigt. Später, beim VfL Osnabrück, bei 1860 München, beim HSV und dem 1. FC Köln, habe ich mich mit meiner großen Fresse zu verteidigen versucht. Damit macht man sich wenig Freunde. Und je höher du steigst, desto mehr Leute freuen sich über deinen Absturz.
Noch im WM-Endspiel 2006 hat eine Schmähung den Weltstar Zidane zum Ausrasten gebracht. Und Lothar Matthäus war als Bayern-Spieler bekannt für seine Bemerkungen über die Genitalien schwarzer Fußballer. Wie viel Rassismus gibt es unter den Spielern?
Der Lothar war ein herausragender Spieler; ich war mal sein Kapitän in der B-Nationalmannschaft, bevor seine große Karriere begann. Er tut mir ein bisschen leid, weil er noch immer die jungen Dinger flachlegen muss, aber weiter will ich ihn nicht kommentieren. Manche haben halt weniger in der Birne als in den Beinen. Aber gegen einen wie mich gab es Vorurteile auf allen Ebenen....
...Warum haben Sie eigentlich nur zwei A-Länderspiele gemacht?
Zu Zeiten meiner Hochform in den 80er Jahren war ich einer der besten defensiven Mittelfeldspieler Europas. In der Bundesliga hat sonst keiner auf meiner Position auch noch bis zu 14 Tore pro Saison geschossen. Einmal habe ich mir da ein Herz gefasst und im Flugzeug den damaligen DFB-Trainer Jupp Derwall angesprochen: „Herr Derwall, ich glaube, ich gehöre in die Nationalmannschaft.“ Der Derwall hat auf meiner Position immer einen der blonden Förster-Brüder als Stammspieler aufgestellt. „Hartwig“, war seine Antwort, „bei mir bist du nicht erste Wahl.“ Ohne Begründung, die brauchte es auch nicht.
Lag das nur an Jupp Derwall?
Nein. Noch ein Erlebnis: Als ich in Irland und Island meine beiden A-Länderspiele gemacht habe und wir in Frankfurt mit der Nationalmannschaft gelandet sind, begrüßte uns DFB-Präsident Hermann Neuberger. Wir standen in einer Reihe, und direkt vor mir hat Neuberger den Sepp Maier und den Bernd Cullmann umarmt und dann direkt nach mir dem Bernd Schuster herzlich die Hand geschüttelt. Ich stand dazwischen und war Luft für ihn.
So ein Affront würde heute zum Skandal.
Natürlich. Aber eine Gegenfrage: Können Sie mir bis heute einen farbigen Spieler nennen, der es nicht nur im Club, sondern in der deutschen Nationalmannschaft zum Stammspieler oder gar Führungsspieler gebracht hätte?
Trotzdem, der DFB engagiert sich öffentlich gegen Rassismus in den Stadien und in der Gesellschaft. Könnte der Fußball auch sonst eine Botschafterfunktion haben für die soziale Integration von Migranten und Unterschichten?
Klar, dafür biete ich mich selber regelmäßig an. Ich weiß ja, wie es unten in der Gesellschaft aussieht, ich habe Abstürze erlebt, und ich mache jede Menge freiwillige Jugendarbeit, übrigens auch mit krebskranken Kindern. Nur, beim DFB hat das bisher kaum jemanden interessiert. Dort gibt es einen Herrn, der behauptet noch immer, der Jimmy Hartwig sei „eine verkrachte Existenz“....
...Herr Hartwig, wann waren Sie zum ersten Mal Millionär?
Mit 24. Da bin ich von 1860 München zum Hamburger SV gekommen. Plötzlich sah ich die Eins mit den vielen Nullen dahinter auf meinem Konto, und auf einmal gab’s wahnsinnig viele Leute, die mir auf die Schulter geklopft haben. Das hatte mir vorher so sehr gefehlt: nicht nur Geld, sondern Anerkennung.
Sie sind in Offenbach 1954 als unehelicher Sohn eines schwarzen GIs geboren, Ihren Vater haben Sie nur ein Mal kurz gesehen und Ihre Mutter musste als Arbeiterin die Familie alleine durchbringen.
Meine Mutter wollte ihren farbigen Jungen immer beschützen, aber sie konnte mir so wenig Anerkennung verschaffen wie meine Umgebung. Dabei ist das für einen Heranwachsenden das Wichtigste.
Sie sollen trotzdem immer schon eine große Klappe gehabt haben.
Weil ich mir damit Anerkennung herbeireden wollte. Ich habe immer Respekt und Liebe gesucht. Deswegen sind auch drei Ehen kaputtgegangen: Es war gar nicht so sehr der Sex, den ich in den Armen von Frauen gesucht habe, sondern Geborgenheit. Das Gefühl, als Mensch angenommen zu sein, selbst wenn ich mir das nur eingebildet habe, weil ein Mädel aus der Disco bloß den berühmten Fußballer im Bett haben wollte. An einem Punkt hat die Illusion aber nicht mehr funktioniert: beim Geld, das ich durch die angeblichen Freunde mit ihren Bauherrenmodellen verloren habe. Plötzlich bist du als Aufsteiger von ganz unten um deinen Lohn gebracht, du hast das Gefühl, die haben dir wieder einen Teil deines Lebens geraubt..."
"...Etwas Ähnliches wird er ihm damals auch im „Ciao“ gesagt haben. Womit die Begegnung normalerweise zu Ende gewesen wäre. „Aber jetzt“, fährt Thieme fort, „passierte etwas völlig Verrücktes. Ein Fremder am Tisch hinter Hartwig steht nun ebenfalls auf und ruft aus: ,Das ich das erleben darf!’ Es war ein Lottogewinner aus Dortmund, der sich gerade einen Partykeller in sein neues Haus gebaut hatte.“ Und dort spielte er immer Poolbillard, mit den Ex-Nationalkickern Jürgen Kohler und Andy Möller. „Der Lottogewinner lud uns alle ein, es wurde ein längeres Besäufnis; ich saß neben Hartwig und murmelte natürlich auch so was in der Art: Sie waren doch als Nationalspieler der erste oder zweite ... äh ... – und der Jimmy sofort in seinem schlagfertigen Hessisch: ,Du konnst ruisch Nescher zu mir saache!’“
Einen Neger spielt er auch jetzt. Einen weißen Neger namens Woyzeck. Jimmy Hartwig ist Georg Büchners geprügelter Woyzeck, dieser erste Proletarier (und proletarische Philosoph) des Welttheaters. Thomas Thieme hat das in Leipzig zum 20. Jubiläum des Mauerfalls inszeniert, und der etwas prätentiös „Büchner/Leipzig/Revolte“ überschriebene Abend sollte so eigentlich gar nicht stattfinden. Es war zunächst an eine Dramatisierung von Erich Loests Roman „Nikolaikirche“ gedacht, auch sollte der Heldenstadt-Dirigent Kurt Masur irgendwie filmisch mitwirken, doch das hat wohl wegen allerlei Differenzen nicht so geklappt (Thieme über Masur: „Dem hat die Geschichte im richtigen Moment den Fuß hingehalten, und er hat ins Tor geschossen“).
In sehr kurzer Zeit ist stattdessen eine Mixtur aus Leipzigfilmchen, einem kurios anrührenden Altmännerchor mit jungsozialistischen Liedern, einigen Stasi-Anspielungen und, im Zentrum, einem fast monologischen Woyzeck-Solo entstanden. Thieme weiß, „ich habe mich da übernommen“, doch „was der Jimmy macht, ist ganz ungewöhnlich“..."
Ermöglicht Ihnen das Theater, intensiver zu leben?
Natürlich ist es auch das. Das Theater bedeutet mir heute viel, weil ich den Leuten immer auch etwas von mir zeigen kann und ständig in verschiedene, neue Leben schlüpfen kann. Ich weiß ja nicht mehr, wie lange ich noch zu leben habe.
Bei Ihnen wurde 2007 zum dritten Mal Krebs diagnostiziert.
Ich spiele jeden Tag um mein Leben, weil ich jeden Tag eine Unmenge an Arznei schlucken muss. Ich bin durch die Krankheit körperlich extrem angeschlagen. Die vergangenen Wochen habe ich unter Schmerzen gespielt. Aber ich mache hier nicht schlapp.
Warum tun Sie sich das an?
Weil ich hier eine Verantwortung habe. Ich war immer ein Mensch, der, wenn ihm jemand eine Chance gibt, für denjenigen durchs Feuer geht. Egal, ob das meine Trainer Branko Zebec und Heinz Lucas waren oder jetzt Thomas Thieme. Menschen, die an mich glauben, will ich einfach nicht enttäuschen. Und wenn ich jetzt zusammenbreche, wäre das für alle der GAU. Deshalb schlucke ich meine Tabletten und ziehe das durch.
Haben Sie Angst vor den nächsten Wochen?
Vor jeder Vorstellung frage ich mich, ob ich das körperlich durchhalte. Schon wenn der Vorhang aufgeht und ich die Leute sehe, fange ich innerlich an zu beben. Ich stehe ja von der ersten bis zur letzten Minute auf der Bühne. Für mich ist das eine hohe psychische und physische Belastung. Wenn ich nach einem Drittel des Stücks plötzlich merke, dass mein Körper anfängt zu rebellieren, davor habe ich Angst.
Wie gegenwärtig ist der Tod in Ihrem Leben?
Meinen Ärzten habe ich gesagt, dass sie ruhig sein sollen, weil ich nicht wissen will, wie lange ich noch hab’. Doch als jetzt Rolf Rüssmann gestorben ist, habe ich gemerkt, wie es mir wieder den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Das hat mich innerlich erschüttert. Der Rolf ist ja auch an Krebs gestorben. Und ich habe das jetzt schon dreimal gehabt. Da unten und im Kopf. In diesen Momenten beginnt man natürlich wieder nachzudenken.
Gibt es vor dem Hintergrund der Krankheit Situationen in Büchners Stück, die Sie emotional besonders berühren – etwa in den Szenen, in denen Woyzeck auf den Doktor trifft?
Ja. Besonders diese Figur des Arztes erinnert mich ganz stark an meine Zeit nach der ersten Chemotherapie Anfang der 90er. Da gab es einen Professor, den Namen darf ich heute nicht mehr nennen, der mir knallhart ins Gesicht gesagt hat, was ich eigentlich wolle, ich hätte ja eh nur noch zwei Jahre zu leben.
Was geht da auf der Bühne in Ihnen vor?
Wenn mich der Doktor auf der Bühne anschreit, ob ich meine Erbsen schon genommen hätte, da denke ich mir, das ist doch dasselbe Arschloch wie damals. Ich merke dann, wie ich auf der Bühne sofort Wut entwickeln kann, weil der Woyzeck gequält wird, weil ihm Unrecht widerfährt. Da kommt dann viel von früher hoch.
Wie wirkt sich diese persönliche Betroffenheit auf Ihr Spiel aus?
Ich kann dadurch in diesen Momenten die nötige Spannung und Kraft aufbauen, die ich für diese Szenen brauche, in denen alle auf mich einhämmern.
Unter Ihrem Regisseur Thomas Thieme haben Sie in Weimar bereits Brechts „Baal“ und Shakespeare gespielt. Welche Rolle spielt er in Ihrem Leben?
Eine väterliche. Er ist Freund, Ziehvater und Kritiker in einer Person. Thomas würde mich nie ins Verderben schicken. Wenn er merkt, dass ich etwas nicht kann, dann sagt er mir das und zeigt mir, wo ich noch lernen kann..."