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Dienstag, 8. Februar 2011

Don' t forget to remember: HIV/AIDS

HIV and AIDS in Black America: The Uphill Battle


Heute, am 7. Februar wird in USA der National Black HIV/AIDS Awareness Day begangen, nach dem Welt-AIDS-Tag in jedem Dezember eine weitere gute Gelegenheit für viele Organisationen, das ungeliebte Thema in die Medien und somit in die Gedanken der Menschen zu bringen. Wie wir hier schon beschrieben haben, hat Black America besonders große Verluste zu beklagen an Menschen, die der Krankheit erlegen sind. Die neuesten Statistiken sind alarmierend - und die Schwarze Community fragt sich natürlich, ob das nur am oft lässigen Umgang mit den Kondomen liegen mag. 

Pause Today to Remember Lost Loved Ones ...


Aber es gibt auch viel Hoffnung durch neue Strategien in der Prävention und in der Behandlung sowie durch viele Menschen, die sich der Aufgabe HIV/AIDS mit aller Kraft verschrieben haben. Das bedeutet u.a., dass sich heute wegen immer besserer und unermüdlicher Aufklärung immer mehr Menschen verantwortungsvoll schützen. Hoffnung macht aber auch, dass jene, die erkrankt sind, durch aufwändige Langzeittherapien gute Chancen auf ein Überleben von mittlerweile mehreren Jahrzehnten haben. Am Wichtigsten aber ist wohl für die Gemeinschaft und für den Einzelnen (mit seinen Befürchtungen), dass viele der Betroffenen den Mut gefunden haben, offen über ihr Schicksal zu sprechen, um vielen Anderen die Berührungsängste zu nehmen und ihnen Mut zu machen.

HIV and African Americans: What's Behind the Devastating Statistics?

Mittwoch, 2. Februar 2011

BLACK in GERMANY (9) - Heute schon geholfen?!

Ein Artikel aus dem heutigen Tagesspiegel hat unsere Aufmerksamkeit erweckt. Menchen in Not - ganz in unserer Nähe - brauchen unsere Hilfe:

Familie in Not: Retten konnten sie nur ihr Leben - Berlin - Tagesspiegel

Spenden und Hilfsangebote an:
steffiburck@yahoo.com 
oder 01705944561.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Attention & Respect

To make understood once again what our work here is about, todays post is dedicated to a man with high standards and so very much engagement for Black America. Brother Field shows in his blogger-column every day what is going on in America with people of Black skin  and why it is concerning everybody everywhere. His Today-column is as clear and simple as can be and needs no advanced English-knowledge or local background-information at all.


Taken from todays "Field Negro", Danke!: field negro: Another one!

Montag, 20. Dezember 2010

Schwarz in Europa: Kältetod in Dänemark

Obdachlose Ausländer in Kopenhagens Nachtasyl "En Varm Seng" / Foto, Danke!: lilleskvat.blogspot.com


Wer schnell und unkompliziert die Ehe schließen will, für den  ist Dänemark seit langem ein Begriff. Hochzeiten, bei denen ein Partner aus dem Ausland kommt oder bei denen hier oder anderswo die Papiere (noch) nicht ausreichen würden, werden dabei bei unserem nördlichen Nachbarn besonders unkompliziert behandelt: ein Grund für viele Paare ins idyllische Dänemark zu reisen – und das Hochzeitsgeld dort auszugeben.

Weit weniger offen ist Dänemark allerdings für andere Ausländer, vor allem im eiskalten Winter und für jene ohne Geld - jene nämlich, die obdachlos geworden sind in Margaretes schönem Königreich. Seit 2007 gibt es dort ein hammerhartes Gesetz, das es ausdrücklich verbietet, Menschen ohne Dänische Staatsangehörigkeit in Obdachlosenheimen und Kälte-Asylen aufzunehmen, was bislang zu elf kältetoten Ausländern geführt hat.

Wie die TAZ aktuell berichtet, halten sich alle dänischen Hilfsorganisationen an dieses unmenschliche Gesetz, schließlich soll es u.a. die unangenehmen Ausländer fern halten aus dem kleinen, aber feinen Dänemark. 


Eine Frau allerdings widersetzt sich dem Verbot – wirksam, laut und öffentlich: April Chris, eine in Dänemark lebende Amerikanerin. Sie hat im letzten Jahr spontan ein improvisiertes Asyl geschaffen, in das nun jede eiskalte Nacht die obdachlosen Ausländer Kopenhagens strömen. Ihr privat und von Spenden finanziertes Haus hat bislang stets mit den Behörden zusammen gearbeitet, sagt Chris:"..., um offenzulegen, dass wir kein Unterschlupf für Kriminelle sind, wie uns immer wieder vorgeworfen wird."

April Chris/Foto, Danke!: S: Offentlige herberg til udenlandske hjemløse - Politiken.dk
Vor kurzem besuchte die Ministerin für Soziales demonstativ die Einrichtung und äußerte sich im Anschluß vernichtend über die Aufnahmepraxis dort. Sie behauptete tatsächlich, dass osteuropäische kriminelle Banden das Asyl gewohnheitsmäßig als Hauptquartier mißbrauchen würden. Die Leiterin April Chris verteidigte ihr Obdachlosenheim und ihre dringend notwendige Arbeit wenig später gegenüber der Ministerin in einem TV-Duell. 

Spenden werden sortiert und verteilt / Foto, Danke!: sletogret.dk

Nur wenige Tage später allerdings gab es im "En Varme Seng" eine nächtliche Polizei-Razzia, bei der 69 der etwa einhundert anwesenden Obdachlosen (aus EU-Europa und aller Welt) aus ihren warmen Betten gezerrt und abgeführt wurden. Zusätzlich wurde das Haus nach Drogen und Diebesgut durchsucht. Den Festgenommenen (mehrheitlich aus Afrika und aus Osteuropa) drohte neben drei Tagen Sofort-Haft die umgehende Abschiebung. Einge der Betroffenen waren zum Zeitpunkt der Razzia bettlägerig krank, andere leiden unter Behinderungen. Menschen aus Afrika z.B. sind den ungewohnten Minusgraden in unseren Breiten völlig hilflos ausgeliefert, was ein ungeschütztes Übernachten in jedem Fall verbietet. 
 
Das Medienecho war -je nach Prägung des Blattes - gewaltig. Zahlreiche Privatpersonen und Organisationen sagten spontan ihre Unterstützung und/oder Spenden zu.

Nächtliche Razzia im "En Varm Seng" / Foto, Danke!: bt.dk

Am per Gesetz manifestierten Prinzip wird sich aber auch in Zukunft wohl kaum etwas ändern. Der Konsens der christlich-konservativen Regierung mit dem ansonsten so freundlichen dänischen Volk ist in dieser Sache offensichtlich. Und wer sonst schaut schon ernsthaft nach Dänemark, wenn es um soziale, menschliche und gesetzliche Missstände geht - in dieser vor Elend und Ungerechtigkeiten nur so strotzenden Welt. 

Als Spende dem Asyl zur Verfügung gestellt: Porträt von Ebrima Bah, Bild des dänischen Malers Calle Jensen /callejensen.dk

Möglicherweise bringt es die Dänen dann aber doch zum Nachdenken (und mehr?!), wenn die vielen leicht verdienten Euros der zahlungsfreudigen Touristen und langjährigen Feriengäste- auch der Hochzeitspaare! - nicht mehr ganz so leicht und unkommentiert in Königin Margaretes Staatskasse landen. Manch europäisch (oder einfach nur menschlich!) denkender Mensch könnte sich ja gerade zu Weihnachten durchaus massiv gestört fühlen von soviel Unmenschlichkeit und gesetzlicher Kälte im idyllischen EU-Partnerland Dänemark. So sehr gestört, dass er persönliche Konsequenzen ziehen wird.


Sonntag, 19. Dezember 2010

Schwarz in Europa: Schön, verliebt - und arbeitslos

Die französische Fernseh-Journalistin Audrey Pulvar / Foto, Danke: Journalistin liebt Politiker: Verbotene Leidenschaft - taz.de


Eine schöne Schwarze Frau, der das Glück aus den Augen strahlt…


Die TAZ berichtet aktuell von der Kontroverse um die französische Journalistin Audrey Pulvar, die sozusagen Berufsverbot erhalten hat, weil sie mit einem Politiker liiert ist. 

Dass die 38-Jährige ihre politische TV-Sendung nicht mehr moderieren darf, ist skandalös genug – doch stellt sich uns zusätzlich die brennende Frage nach der rassistischen Komponente dieser Entscheidung ihres Senders. 

Hier ist der TAZ-Artikel von Rudolf Balmer im Original:




Montag, 5. Juli 2010

Dear Friends,

Auf 
der Liegewiese
Wie das Leben so spielt: Es ist nicht immer alles exakt planbar...!
Deshalb gehen wir in diesem Jahr nun etwas früher in die großen Ferien.
Euch allen wünschen wir einen traumhaften Sommer - bis hoffentlich bald wieder hier!
Etta und Co.
sunsetAfrica22

Dienstag, 4. Mai 2010

Look here: A true hero! - Black Veteran saves NYC

In dem einen oder anderen Actionthriller durften Schwarze bislang schon gelegentlich die Welt retten - Will Smith z.B. - jetzt aber ist aus dem Märchen vom unscheinbaren Schwarzen Helden plötzlich Wahrheit geworden:

Meet The Black Man Who Saved New York City
By Casey Gane-McCalla  / News One for Black America

vendor

From NYDailyNews.com:
Saving the day is all in thefamily for Lance Orton, the T-shirt vendor credited with first telling cops about the bomb-packed SUV parked in the heart of Times Square.
His sister is a disaster response expert: Dr. Gina Orton 54, of Virginia, works as a psychiatrist with the Justice Department, counseling law enforcement officers traumatized by the unthinkable.
“My brother could have been killed,” Gina Orton said, “and socould have thousands of people. … It’s a horrifying thought.”
She’s not surprised her brother acted the way he did. After all, he did such a good job looking out for her when they were kids, why shouldn’t he now be looking out for all New York?
Click Here For More
RELATED STORIES
Vietnam Veteran Vendors Called Heroes For Alerting Police About Car Bomb

Thanks to News One!!! From Berlin and "Attention & Respect" for helping out with the kind of news you cannot find in lokal Papers over here!

Vietnam Veteran Vendors Called Heroes For Alerting Police About Car Bomb
Times Square Vendors Become Heroes After Attempted Bombing   
Autobombe am Times Square: Wer ist der Held von New York?
STERN.de
"...Als er gefragt wird, ob er stolz sei auf seine Tat, ist die Antwort kurz: "Natürlich, Mann, ich bin Veteran. Was denkst du denn?" Er kämpfte im Vietnam-Krieg, seit 20 Jahren verdient er sein Geld als Straßenhändler im Zentrum New Yorks. Seine Kunden sind die Hunderttausende von Touristen, die am Times Square die besondere Atmosphäre der Stadt erleben wollen, zwischen den Bürohochhäusern von Midtown und den Restaurants und Theatern am Broadway. Hier, in der 45. Straße, war ihm am Samstag kurz vor 18.30 Uhr der Nissan-Geländewagen aufgefallen, der mit laufendem Motor und eingeschalteter Warnblinkanlage parkte. Als in dem Auto auch noch eine merkwürdige Qualmwolke aufstieg, machte der T-Shirt-Verkäufer einen berittenen Polizisten darauf aufmerksam..."

Terroralarm in New York: Nur ein Vorfall
If it can happen there it can happen anywhere.  
Nach Bombenfund: Gouverneur von New York spricht von Terrorakt  

Auch wenn New Yorks Bürgermeister Bloomberg nur den Polizisten, den Orton alarmiert hatte, aus Dankbarkeit zum Essen am Times Square einlud, so weiß Black America - und hoffentlich auch der Rest! - wem New York City die Rettung in letzter Sekunde verdankt:

Obama Personally Calls Times Square Vendors
by Tanu Henry/News you shold know/bet.com



duane_jackson
"According to White House Press Secretary Robert Gibbs, President Obama personally called Times Square vendors Lance Orton and Duane Jackson, who first reported Saturday night’s car bomb to N.Y. officials.
Jackson, who sells handbags at the busy Manhattan hub, recounts the President’s call to him.
“He thanked me for taking notice when not a lot of people would have,” Jackson, 58, told the New York Daily News. “He said ‘The nation is proud of you.’”
The president also called the cops who were the first to respond to the tense situation.
Both Orton and Jackson are Vietnam vets."(Thanks to Tanu Henry, News you should know and bet.com)

Das ist gewiss nicht nur eine Genugtuung für viele Schwarze Veteranen, denn Amerika hat sich über Jahrzehnte ausgesprochen herzlos gegenüber seinen oft auf Lebenszeit gezeichneten Vietnam-Heinkehrern verhalten. Und viel scheint die Nation aus diesem Versagen auch nicht gelernt zu haben, denn auch den Veteranen der Irak- und Afghanistan-Kriege geht es heute oft nicht besser.
Bei den fieberhaften Ermittlungen um den verhinderten Times-Square-Anschlag hat sich herausgestellt, dass auch noch ein anderer Schwarzer unmittelbar, aber ahnungslos mit dem Attentat zu tun hatte. Der junge Mann hatte den Tätern sein Auto verkauft:

Black Teen Unknowingly Sold Car To Times Square Bombing Suspect

Waren die Behörden zunächst davon ausgegangen, dass es sich wohl eher um einen mehr oder weniger diletantschen Einzeltäter handelt, so haben sich heute die Hinweise auf einen international geplanten Anschlag verdichtet. In letzter Sekunde konnte ein Verdächtiger aus einem startbereiten Flugzeug geholt werden:

Autobombe vom Times Square: Polizei holte Terrorverdächtigen aus dem Flugzeug
NYC Car Bomb Suspect Arrested At Airport, Will Appear In Court Today
Autobombe am Times Square: Vor Abflug nach Dubai - Verdächtiger gefasst 

Anschlagsversuch am Times Square: Spuren führen in Taliban-Hochburg
Times Square Car Bomber Implicates Himself 
Geständnis nach Anschlagsversuch von New York 
New York-Attentäter legt Geständnis ab
Versuchter Anschlag: Times-Square-Bomber legt Geständnis ab 
Terror in New York: Der liebenswerte Pakistaner von nebenan
Anschlagsversuch am Times Square: Der Feind im eigenen Haus
Faisal Shahzad: Der Attentäter vom Times Square 
Anschlagsversuch am Times Square: New-York-Attentäter legt Geständnis ab 
Versuchtes Attentat in New York: Ein Geständnis - und zwei weitere Festnahmen
New-York-Attentat - Zwei mögliche Hintermänner festgenommen 
Anschlagsversuch am Times Square: Pakistan verspricht Amerika Hilfe bei Aufklärung
Terrorgruppen in Pakistan: Näher an Al Qaida
Anschlagsversuch am Times Square: Pakistan verhaftet Bekannten des Terrorverdächtigen von New York 
Obama: Die USA lassen sich nicht einschüchtern  

Und noch ein anderer Schwarzer Mann wird heute in den USA als Held gefeiert: In Kalifornien konnte ein Cop außer Dienst den Messer-Amoklauf einer Frau beenden:

Off-Duty Cop Stops Knife Attack At Calif. Target
AP/News One for Black America


Target 
Stabbings
WEST HOLLYWOOD, Calif. – Deputy Clay Grant Jr. was off-duty and picking up a couple of household items from Target when customers started screaming.
He says he quickly saw why: A woman was running down the cosmetic aisle with a knife in each hand.
Layla Trawick, 34, had just stabbed four people, including a woman holding a baby, slashing at shoppers in an apparently random attack at the busy store Monday, authorities allege.
Grant grabbed his duty weapon, identified himself as a sheriff’s deputy and ordered the woman to drop the knives, he said. She ran away and he followed her from aisle to aisle before she surrendered.
“She finally dropped her knife, and I was able to place handcuffs on her,” Grant said.
Thanks again to News One !!! 

Montag, 12. April 2010

Jimmy Hartwig - Ein Kämpfer mit vielen Talenten

 Foto: Jimmy Hartwig als Trainer/Wolfgang Kluge/ Deutsches Bundesarchiv/Creative Commons Attribution ShareAlike Lizenz 3.0/Wikimedia Commons

Sein Leben als aktiver Fußballer und deutscher Nationalspieler liegt schon lange hinter ihm, aber bis heute spürt Jimmy Hartwig Leidenschaft für diesen Sport, der ihm einst den Weg bahnte: heraus aus der Sozialsiedlung und hinein in ein Leben als gefeierter Sportstar und Millionär. Mit Peter von Becker hat er für den Tagesspiegel ein langes und intensives Gespräch geführt über sein bewegtes Leben:

Sonntagsinterview: "Ich bin ein Kämpfer geblieben"
Interview: Peter von Becker / Der Tagesspiegel 

"....Sie sind gerade für den DFB nach Kapstadt gereist und haben in einer südafrikanischen Township mit Kids von der Straße einen Fußballworkshop gemacht.

Moment mal: Ich bin auf eigene Kosten gereist, und das Ganze ist eine Initiative des privaten Projekts „Auf Ballhöhe“, das seit Jahren Jugendarbeit in Südafrika betreibt. Daran ist der DFB nur als Förderer beteiligt.

Der superreiche DFB hat für diese Aktion kurz vor der WM in Südafrika nichts bezahlt?

Nicht für mich. Doch mir war es das wert. Ich habe zwei Wochen mit Jungs trainiert, die nach Anerkennung lechzen, die aus ihrer materiellen Misere herauswollen und dafür kämpfen, ohne zu klagen. Sie lachen und tanzen und geben den Glauben an die Zukunft nicht auf. Das ist kein Kitsch. Manchmal habe ich an die Lowald-Siedlung in Offenbach zurückdenken müssen, wo ich aufwuchs. Das ist meine Township gewesen.

War das Ihr stärkster Eindruck?

Nein, das war der Besuch auf Robben Island in der ehemaligen Gefängniszelle von Nelson Mandela. Ein Tisch, ein Stuhl, eine fünf Zentimeter dicke Filzmatte zum Schlafen, daneben ein roter Blecheimer für die Notdurft. Da hat Mandela 27 Jahre gelebt und ist am Ende rausgekommen und hat statt Hass und Gewalt Versöhnung und Nächstenliebe gelehrt. Ich durfte mich ausnahmsweise auf seine Schlafmatte legen. Da bekam ich eine Gänsehaut. Früher habe ich mich für meine Hautfarbe geschämt, seit diesem Erlebnis bin ich stolz darauf...


....Nach dem Stürmer Erwin Kostedde waren Sie Anfang der 80er Jahre der einzige farbige deutsche Nationalspieler. Und nach Ihnen kam lange Zeit keiner mehr.

Wenn jetzt ein dunkelhäutiger Rapper – auch einer mit großer Klappe – zum Bestsellerautor wird und sein Leben verfilmt kriegt, dann ist das für mich wie eine andere Welt. Ich bin knapp zehn Jahre nach dem Krieg geboren, da war noch die ganze Nazizeit in den Köpfen drin. „Beim Adolf hätte es das nicht gegeben, dass hier ein Neger bei uns rumläuft!“, das habe ich als Schulkind tagtäglich gehört.

Auch beim Fußball?

„Du Negerschwein“, das hörte ich auch auf dem Platz. Aber mein erster Jugendtrainer bei den Offenbacher Kickers hat mein Talent sofort erkannt. Er hat mich auch gegen alle Anzüglichkeiten verteidigt. Später, beim VfL Osnabrück, bei 1860 München, beim HSV und dem 1. FC Köln, habe ich mich mit meiner großen Fresse zu verteidigen versucht. Damit macht man sich wenig Freunde. Und je höher du steigst, desto mehr Leute freuen sich über deinen Absturz.

Noch im WM-Endspiel 2006 hat eine Schmähung den Weltstar Zidane zum Ausrasten gebracht. Und Lothar Matthäus war als Bayern-Spieler bekannt für seine Bemerkungen über die Genitalien schwarzer Fußballer. Wie viel Rassismus gibt es unter den Spielern?

Der Lothar war ein herausragender Spieler; ich war mal sein Kapitän in der B-Nationalmannschaft, bevor seine große Karriere begann. Er tut mir ein bisschen leid, weil er noch immer die jungen Dinger flachlegen muss, aber weiter will ich ihn nicht kommentieren. Manche haben halt weniger in der Birne als in den Beinen. Aber gegen einen wie mich gab es Vorurteile auf allen Ebenen....

...Warum haben Sie eigentlich nur zwei A-Länderspiele gemacht?

Zu Zeiten meiner Hochform in den 80er Jahren war ich einer der besten defensiven Mittelfeldspieler Europas. In der Bundesliga hat sonst keiner auf meiner Position auch noch bis zu 14 Tore pro Saison geschossen. Einmal habe ich mir da ein Herz gefasst und im Flugzeug den damaligen DFB-Trainer Jupp Derwall angesprochen: „Herr Derwall, ich glaube, ich gehöre in die Nationalmannschaft.“ Der Derwall hat auf meiner Position immer einen der blonden Förster-Brüder als Stammspieler aufgestellt. „Hartwig“, war seine Antwort, „bei mir bist du nicht erste Wahl.“ Ohne Begründung, die brauchte es auch nicht.

Lag das nur an Jupp Derwall?

Nein. Noch ein Erlebnis: Als ich in Irland und Island meine beiden A-Länderspiele gemacht habe und wir in Frankfurt mit der Nationalmannschaft gelandet sind, begrüßte uns DFB-Präsident Hermann Neuberger. Wir standen in einer Reihe, und direkt vor mir hat Neuberger den Sepp Maier und den Bernd Cullmann umarmt und dann direkt nach mir dem Bernd Schuster herzlich die Hand geschüttelt. Ich stand dazwischen und war Luft für ihn.

So ein Affront würde heute zum Skandal.

Natürlich. Aber eine Gegenfrage: Können Sie mir bis heute einen farbigen Spieler nennen, der es nicht nur im Club, sondern in der deutschen Nationalmannschaft zum Stammspieler oder gar Führungsspieler gebracht hätte?

Trotzdem, der DFB engagiert sich öffentlich gegen Rassismus in den Stadien und in der Gesellschaft. Könnte der Fußball auch sonst eine Botschafterfunktion haben für die soziale Integration von Migranten und Unterschichten?

Klar, dafür biete ich mich selber regelmäßig an. Ich weiß ja, wie es unten in der Gesellschaft aussieht, ich habe Abstürze erlebt, und ich mache jede Menge freiwillige Jugendarbeit, übrigens auch mit krebskranken Kindern. Nur, beim DFB hat das bisher kaum jemanden interessiert. Dort gibt es einen Herrn, der behauptet noch immer, der Jimmy Hartwig sei „eine verkrachte Existenz“....

...Herr Hartwig, wann waren Sie zum ersten Mal Millionär?

Mit 24. Da bin ich von 1860 München zum Hamburger SV gekommen. Plötzlich sah ich die Eins mit den vielen Nullen dahinter auf meinem Konto, und auf einmal gab’s wahnsinnig viele Leute, die mir auf die Schulter geklopft haben. Das hatte mir vorher so sehr gefehlt: nicht nur Geld, sondern Anerkennung.

Sie sind in Offenbach 1954 als unehelicher Sohn eines schwarzen GIs geboren, Ihren Vater haben Sie nur ein Mal kurz gesehen und Ihre Mutter musste als Arbeiterin die Familie alleine durchbringen.

Meine Mutter wollte ihren farbigen Jungen immer beschützen, aber sie konnte mir so wenig Anerkennung verschaffen wie meine Umgebung. Dabei ist das für einen Heranwachsenden das Wichtigste.

Sie sollen trotzdem immer schon eine große Klappe gehabt haben.

Weil ich mir damit Anerkennung herbeireden wollte. Ich habe immer Respekt und Liebe gesucht. Deswegen sind auch drei Ehen kaputtgegangen: Es war gar nicht so sehr der Sex, den ich in den Armen von Frauen gesucht habe, sondern Geborgenheit. Das Gefühl, als Mensch angenommen zu sein, selbst wenn ich mir das nur eingebildet habe, weil ein Mädel aus der Disco bloß den berühmten Fußballer im Bett haben wollte. An einem Punkt hat die Illusion aber nicht mehr funktioniert: beim Geld, das ich durch die angeblichen Freunde mit ihren Bauherrenmodellen verloren habe. Plötzlich bist du als Aufsteiger von ganz unten um deinen Lohn gebracht, du hast das Gefühl, die haben dir wieder einen Teil deines Lebens geraubt..."


Aus redaktionellen Gründen haben wir das Interview gekürzt und teilweise etwas umgestellt. Bitte klicken Sie oben und lesen Sie das komplette, sehr interessante Gespräch über Jimmy Hartwigs Leben dort nach.
Hier noch weitere aktuelle Artikel über Hartwig:

Fußballer Jimmy Hartwig : "Die Nähe von Triumph und eins auf die ...  /ZEIT ONLINE

Comeback auf der Bühne: Jimmy Hartwig spielt sich selbst - Nachrichten Kultur - Theater - WELT ONLINE

Jimmy Hartwig | berliner filmfestivals

Monument aus Herz und Seele von Peter von Becker/ Der Tagesspiegel

"...Etwas Ähnliches wird er ihm damals auch im „Ciao“ gesagt haben. Womit die Begegnung normalerweise zu Ende gewesen wäre. „Aber jetzt“, fährt Thieme fort, „passierte etwas völlig Verrücktes. Ein Fremder am Tisch hinter Hartwig steht nun ebenfalls auf und ruft aus: ,Das ich das erleben darf!’ Es war ein Lottogewinner aus Dortmund, der sich gerade einen Partykeller in sein neues Haus gebaut hatte.“ Und dort spielte er immer Poolbillard, mit den Ex-Nationalkickern Jürgen Kohler und Andy Möller. „Der Lottogewinner lud uns alle ein, es wurde ein längeres Besäufnis; ich saß neben Hartwig und murmelte natürlich auch so was in der Art: Sie waren doch als Nationalspieler der erste oder zweite ... äh ... – und der Jimmy sofort in seinem schlagfertigen Hessisch: ,Du konnst ruisch Nescher zu mir saache!’“

Einen Neger spielt er auch jetzt. Einen weißen Neger namens Woyzeck. Jimmy Hartwig ist Georg Büchners geprügelter Woyzeck, dieser erste Proletarier (und proletarische Philosoph) des Welttheaters. Thomas Thieme hat das in Leipzig zum 20. Jubiläum des Mauerfalls inszeniert, und der etwas prätentiös „Büchner/Leipzig/Revolte“ überschriebene Abend sollte so eigentlich gar nicht stattfinden. Es war zunächst an eine Dramatisierung von Erich Loests Roman „Nikolaikirche“ gedacht, auch sollte der Heldenstadt-Dirigent Kurt Masur irgendwie filmisch mitwirken, doch das hat wohl wegen allerlei Differenzen nicht so geklappt (Thieme über Masur: „Dem hat die Geschichte im richtigen Moment den Fuß hingehalten, und er hat ins Tor geschossen“).

In sehr kurzer Zeit ist stattdessen eine Mixtur aus Leipzigfilmchen, einem kurios anrührenden Altmännerchor mit jungsozialistischen Liedern, einigen Stasi-Anspielungen und, im Zentrum, einem fast monologischen Woyzeck-Solo entstanden. Thieme weiß, „ich habe mich da übernommen“, doch „was der Jimmy macht, ist ganz ungewöhnlich“..."

Hartwig: "Ich spiele um mein Leben"  Interview von Lucas Vogelsang / Der Tagesspiegel


Ermöglicht Ihnen das Theater, intensiver zu leben?

Natürlich ist es auch das. Das Theater bedeutet mir heute viel, weil ich den Leuten immer auch etwas von mir zeigen kann und ständig in verschiedene, neue Leben schlüpfen kann. Ich weiß ja nicht mehr, wie lange ich noch zu leben habe.

Bei Ihnen wurde 2007 zum dritten Mal Krebs diagnostiziert.

Ich spiele jeden Tag um mein Leben, weil ich jeden Tag eine Unmenge an Arznei schlucken muss. Ich bin durch die Krankheit körperlich extrem angeschlagen. Die vergangenen Wochen habe ich unter Schmerzen gespielt. Aber ich mache hier nicht schlapp.

Warum tun Sie sich das an?

Weil ich hier eine Verantwortung habe. Ich war immer ein Mensch, der, wenn ihm jemand eine Chance gibt, für denjenigen durchs Feuer geht. Egal, ob das meine Trainer Branko Zebec und Heinz Lucas waren oder jetzt Thomas Thieme. Menschen, die an mich glauben, will ich einfach nicht enttäuschen. Und wenn ich jetzt zusammenbreche, wäre das für alle der GAU. Deshalb schlucke ich meine Tabletten und ziehe das durch.

Haben Sie Angst vor den nächsten Wochen?

Vor jeder Vorstellung frage ich mich, ob ich das körperlich durchhalte. Schon wenn der Vorhang aufgeht und ich die Leute sehe, fange ich innerlich an zu beben. Ich stehe ja von der ersten bis zur letzten Minute auf der Bühne. Für mich ist das eine hohe psychische und physische Belastung. Wenn ich nach einem Drittel des Stücks plötzlich merke, dass mein Körper anfängt zu rebellieren, davor habe ich Angst.

Wie gegenwärtig ist der Tod in Ihrem Leben?

Meinen Ärzten habe ich gesagt, dass sie ruhig sein sollen, weil ich nicht wissen will, wie lange ich noch hab’. Doch als jetzt Rolf Rüssmann gestorben ist, habe ich gemerkt, wie es mir wieder den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Das hat mich innerlich erschüttert. Der Rolf ist ja auch an Krebs gestorben. Und ich habe das jetzt schon dreimal gehabt. Da unten und im Kopf. In diesen Momenten beginnt man natürlich wieder nachzudenken.

Gibt es vor dem Hintergrund der Krankheit Situationen in Büchners Stück, die Sie emotional besonders berühren – etwa in den Szenen, in denen Woyzeck auf den Doktor trifft?

Ja. Besonders diese Figur des Arztes erinnert mich ganz stark an meine Zeit nach der ersten Chemotherapie Anfang der 90er. Da gab es einen Professor, den Namen darf ich heute nicht mehr nennen, der mir knallhart ins Gesicht gesagt hat, was ich eigentlich wolle, ich hätte ja eh nur noch zwei Jahre zu leben.

Was geht da auf der Bühne in Ihnen vor?

Wenn mich der Doktor auf der Bühne anschreit, ob ich meine Erbsen schon genommen hätte, da denke ich mir, das ist doch dasselbe Arschloch wie damals. Ich merke dann, wie ich auf der Bühne sofort Wut entwickeln kann, weil der Woyzeck gequält wird, weil ihm Unrecht widerfährt. Da kommt dann viel von früher hoch.

Wie wirkt sich diese persönliche Betroffenheit auf Ihr Spiel aus?

Ich kann dadurch in diesen Momenten die nötige Spannung und Kraft aufbauen, die ich für diese Szenen brauche, in denen alle auf mich einhämmern.

Unter Ihrem Regisseur Thomas Thieme haben Sie in Weimar bereits Brechts „Baal“ und Shakespeare gespielt. Welche Rolle spielt er in Ihrem Leben?

Eine väterliche. Er ist Freund, Ziehvater und Kritiker in einer Person. Thomas würde mich nie ins Verderben schicken. Wenn er merkt, dass ich etwas nicht kann, dann sagt er mir das und zeigt mir, wo ich noch lernen kann..."





23. Oktober 2000/Spiegel Online
Jimmy Hartwig: "Ich hab's auch gemacht" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport



Jimmy Hartwig   - HOMEPAGE


Jimmy Hartwig – Wikipedia

Jimmy Hartwig - Munzinger Biographie