Mit den besten Wünschen für ein gesundes, friedliches und erfolgreiches Jahr 2011 begrüße ich Sie hier auch im neuen Jahrzehnt.
Ihre Etta & Crew
Und damit wir den Blick für das Wesentliche dieses Blogs gleich von Anfang an mit hinüber nehmen in den jungen Januar, wollen wir Sie gleich wissen lassen, wie man Weihnachten im romantischen Wien feiern kann, das ja dafür auch viel erfolgreiche Werbung gemacht hat in aller Welt.
Die Blog-Kollegen vom dokumentationsarchiv und von profil online haben uns aufmerksam gemacht auf eine ganz besondere – Schwarze - Weihnacht 2010 - mitten in Österreichs verlockend weißem Schnee:
Und damit auch wirklich ganz klar ist, dass diese Haltung nicht nur ein „Ausrutscher“ ist im schönen Österreich, hier gleich noch die „Antwort“ im Original:
Obdachlose Ausländer in Kopenhagens Nachtasyl "En Varm Seng" / Foto, Danke!: lilleskvat.blogspot.com
Wer schnell und unkompliziert die Ehe schließen will, für den ist Dänemark seit langem ein Begriff. Hochzeiten, bei denen ein Partner aus dem Ausland kommt oder bei denen hier oder anderswo die Papiere (noch) nicht ausreichen würden, werden dabei bei unserem nördlichen Nachbarn besonders unkompliziert behandelt: ein Grund für viele Paare ins idyllische Dänemark zu reisen – und das Hochzeitsgeld dort auszugeben.
Weit weniger offen ist Dänemark allerdings für andere Ausländer, vor allem im eiskalten Winter und für jene ohne Geld - jene nämlich, die obdachlos geworden sind in Margaretes schönem Königreich. Seit 2007 gibt es dort ein hammerhartes Gesetz, das es ausdrücklich verbietet, Menschen ohne Dänische Staatsangehörigkeit in Obdachlosenheimen und Kälte-Asylen aufzunehmen, was bislang zu elf kältetoten Ausländern geführt hat.
Wie die TAZ aktuell berichtet, halten sich alle dänischen Hilfsorganisationen an dieses unmenschliche Gesetz, schließlich soll es u.a. die unangenehmen Ausländer fern halten aus dem kleinen, aber feinen Dänemark.
Eine Frau allerdings widersetzt sich dem Verbot – wirksam, laut und öffentlich: April Chris, eine in Dänemark lebende Amerikanerin. Sie hat im letzten Jahr spontan ein improvisiertes Asyl geschaffen, in das nun jede eiskalte Nacht die obdachlosen Ausländer Kopenhagens strömen. Ihr privat und von Spenden finanziertes Haus hat bislang stets mit den Behörden zusammen gearbeitet, sagt Chris:"..., um offenzulegen, dass wir kein Unterschlupf für Kriminelle sind, wie uns immer wieder vorgeworfen wird."
Spenden werden sortiert und verteilt / Foto, Danke!: sletogret.dk
Nur wenige Tage später allerdings gab es im "En Varme Seng" eine nächtliche Polizei-Razzia, bei der 69 der etwa einhundert anwesenden Obdachlosen (aus EU-Europa und aller Welt) aus ihren warmen Betten gezerrt und abgeführt wurden. Zusätzlich wurde das Haus nach Drogen und Diebesgut durchsucht. Den Festgenommenen (mehrheitlich aus Afrika und aus Osteuropa) drohte neben drei Tagen Sofort-Haft die umgehende Abschiebung. Einge der Betroffenen waren zum Zeitpunkt der Razzia bettlägerig krank, andere leiden unter Behinderungen. Menschen aus Afrika z.B. sind den ungewohnten Minusgraden in unseren Breiten völlig hilflos ausgeliefert, was ein ungeschütztes Übernachten in jedem Fall verbietet.
Nächtliche Razzia im "En Varm Seng" / Foto, Danke!: bt.dk
Am per Gesetz manifestierten Prinzip wird sich aber auch in Zukunft wohl kaum etwas ändern. Der Konsens der christlich-konservativen Regierung mit dem ansonsten so freundlichen dänischen Volk ist in dieser Sache offensichtlich. Und wer sonst schaut schon ernsthaft nach Dänemark, wenn es um soziale, menschliche und gesetzliche Missstände geht - in dieser vor Elend und Ungerechtigkeiten nur so strotzenden Welt.
Als Spende dem Asyl zur Verfügung gestellt: Porträt von Ebrima Bah, Bild des dänischen Malers Calle Jensen /callejensen.dk
Möglicherweise bringt es die Dänen dann aber doch zum Nachdenken (und mehr?!), wenn die vielen leicht verdienten Euros der zahlungsfreudigen Touristen und langjährigen Feriengäste- auch der Hochzeitspaare! - nicht mehr ganz so leicht und unkommentiert in Königin Margaretes Staatskasse landen. Manch europäisch (oder einfach nur menschlich!) denkender Mensch könnte sich ja gerade zu Weihnachten durchaus massiv gestört fühlen von soviel Unmenschlichkeit und gesetzlicher Kälte im idyllischen EU-Partnerland Dänemark. So sehr gestört, dass er persönliche Konsequenzen ziehen wird.
Eine schöne Schwarze Frau, der das Glück aus den Augen strahlt…
Die TAZ berichtet aktuell von der Kontroverse um die französische Journalistin Audrey Pulvar, die sozusagen Berufsverbot erhalten hat, weil sie mit einem Politiker liiert ist.
Dass die 38-Jährige ihre politische TV-Sendung nicht mehr moderieren darf, ist skandalös genug – doch stellt sich uns zusätzlich die brennende Frage nach der rassistischen Komponente dieser Entscheidung ihres Senders.
Hier ist der TAZ-Artikel von Rudolf Balmer im Original:
Das ist ja ne tolle Idee! – war mein erster Gedanke als ich in unserem gemeinsamen Blog „The Afro Spear“ von der Aktion las.
Die Bloggerinnen der Initiative „Black women in Europe“ haben sich – inspiriert von der Wahl Michelle Obamas zur mächtigsten Frau der Welt – auf die Suche gemacht nach der mächtigsten Schwarzen Frau Europas. Adrianne George, die Chefredakteurin und Initiatorin des Blogs „Black women in Europe“ und nun auch dieser Suche, hat sich im Vorfeld viel Mühe gemacht, und mittlerweile steht auch eine Auswahlliste mit 58 Schwarzen Frauen zur Verfügung und im Net.
Ich konnte gar nicht schnell genug nachschauen, wer denn da nun alles draufsteht….Und wusste plötzlich, dass es da trotz der ganz tollen Idee ein ziemlich großes Problem gibt. Mindestens eins.
Das Grund-Problem ist natürlich, dass es Europa – als zusammengehörendes Ganzes – so wie die Vereinigten Staaten von Amerika eben noch längst nicht gibt. Oder können Sie auf Anhieb eine „mächtige“ Frau nennen, aus Großbritannien etwa, den Niederlanden oder aus Frankreich. Und noch dazu eine mächtige SCHWARZE Frau (obwohl es in den genannten drei Ländern ja nun seit Jahrzehnten schon wirklich sehr viele Schwarze Frauen im Alltagsleben gibt.) Mir jedenfalls fällt auf Anhieb und mit Namen keine Politikerin, keine Managerin und auch keine Journalistin oder Künstlerin Schwarzer Hautfarbe ein, die sich in ihrem Land soweit an die Macht durchgeboxt hat, dass man sie in ganz Europa kennt.
Nicht, dass es keine bekannten und durchaus beliebten Frauen schwarzer Hautfarbe geben würde in unseren Ländern, aber bekannt heißt ja noch lange nicht „mächtig“. Gehört die wunderbare französische Schriftstellerin Marie N’Daye – bislang eine der Favoritinnen auf der Kandidatinnenliste – wirklich dazu? Und wenn, dann warum? Weil sie mächtige Bilder in den Köpfen und Herzen ihrer Bestseller-Leserschaft aus aller Welt entstehen lässt, die vielleicht ja eines Tages etwas werden mit-bewegen können an anderer, politisch relevanterer Stelle in Europa?
Viel bewegt hat auch eine der anderen Frauen, die ganz vorne liegt im Rennen um die neu ausgeschriebene europäische Position: Naomi Campbell, die Britin, hat mit ihrem jahrelangem Einsatz für gerechtere Zustände auf und hinter den Laufstegen viel dazu beigetragen, dass ein Bewusstsein entstehen konnte für die Ausgrenzung Schwarzer Modells in der internationalen Modebranche. Aber Popularität, Berühmtheit oder gar Ruhm ist trotz allem keine MACHT, denn die kann doch unmöglich allein davon abhängig sein, dass möglichst viele Menschen den Namen, das Gesicht und vielleicht ja sogar auch die Vita der Frau kennen.
Naomi Campbell
Wenn dem so wäre, dann müssten aber noch sehr viele andere Frauen ganz oben auf der Liste stehen, wie Marianne Jean Baptiste z.B., die Engländerin mit der ganz großen aktuellen USA-Karriere. Viele kennen ihr Gesicht aus der hier in Deutschland immer noch in Wiederholungen gezeigten US-Fernsehserie „Without a trace“ und aus dem Kino, wo sie erst kürzlich mit etlichen Hollywood-Verfilmungen zu sehen war.
Zum oben schon genannten kommt mit ihr noch ein anderes, neues Problem dieser verflixten Wahl ins Spiel: Sie ist zwar eindeutig Europäerin, aber sie lebt und arbeitet in Amerika. Na gut, das ist ja durchaus noch zu vertreten. Aber was ist dann mit all den anderen Schwarzen Frauen auf der Liste, die eindeutig Amerikanerinnen sind - hier mehr oder weniger bekannt - die ihren Lebensmittelpunkt aber in Europa haben, zumindest vorübergehend…?
Und was bitte ist mit all den vielen Schwarzen Frauen, die aus Afrika stammen, wo Frauen traditionell durchaus wirkliche Machtpositionen innehaben können? Zählen die mit, all die Asylantinnen, Diplomatinnen, Händlerinnen und Ehefrauen aus Afrika als hier nun „in Europa“? Und wenn ja, wird dann auch ihr afrikanisches Vorleben „angerechnet“ beim Ausscheidungs-Berechnen ihrer preisverdächtigen Macht? Und…? Und…? Und…?
Alle diese – und möglichst viele, viele mehr! - Frauen lassen sich als Ganzes wunderbar mit einem Blog ansprechen, der ihre verschiedenen Lebenswelten berührt und sie als Gruppe zusammenfinden lässt. Doch reicht das als einziges Auswahl-Kriterium - als Solidaritätsbasis schon, wohlgemerkt! - wirklich aus, um daraus die „mächtigste“ Schwarze Frau Europas zu zimmern?
Ich finde die Idee immer noch ganz toll – doch leider weiß ich nun auch, dass sich noch vieles ändern muss, damit so eine kleine, liebevolle Aktion einfach mal so erfolgreich und leicht über die Bühne gehen kann. Bis dahin aber sollten wir alle uns schon mal umschauen nach unserer ganz persönlichen Kandidatin! In ganz Europa und da, wo wir in Wirklichkeit auch nicht allzu viele Schwarze Frauen kennen, die was bewegen in der Welt und die in Frage kämen als mächtigste Schwarze Frau Europas – zuhause nämlich, in unserem eigenen Land.
Mit einigen der bunten Figuren in diesem Artikel sind auch wir hier in Europa schon aufgewachsen. Die meisten allerdings fanden ihren Weg via TV erst zu uns, als in den 1990iger Jahren mit den neuen Privatsendern viel zusätzliche Film-Unterhaltung gebraucht wurde - für die verwöhnten Kids der eigentlich umworbenen Fernsehkonsumenten.
Einige der Zeichentrickserien, die das US-Online-Magazin „News One for Black America“ gerade als die 10 beliebtesten Black Cartoons für seine Leser zusammengestellt hat, haben ihre Vorlagen in tatsächlichen US-Fernsehserien und lebendigen Schauspielern und sind von Anfang an auch direkt für den Bildschirm entwickelt worden.
Nur wenige dieser beliebtesten Zehn aller Zeiten sind ursprünglich einmal für Zeitungen oder Magazine entstanden, und Kinder waren nur ganz selten die Adressaten. Es war und ist ja auch gar nicht so leicht, neben dem Spaß am Genre und an der Aktion auch tatsächlich die (kindliche) Freude und vor allem die eigene Fantasie herauszulocken beim geneigten Betrachter.
Doch Cartoon-Fans wissen dies und noch viel, viel mehr zum Thema ohnehin! Sie werden sich freuen können an diesem Artikel, der (im Link geöffnet!) mit den dazugehörigen You-Tube-Videos ausgestattet ist. Viel Spaß und einen schönen 2.Advent!
There have been many 70s cartoons, 80s cartoons, 90s cartoons and present day cartoons with African American cartoon characters. But very few have had the main character(s) be African American. Here are the best Black cartoons from the 70s,80s, and 90s and today.
10. Kid And Play
This cartoon brought the energy of the “House Party” movies and Kid And Play music for a short lived TV show.
9. The Harlem Globetrotters
Besides being flamboyant trick-heavy basketball players, the Globetrotters also saved the world from evil villains too. Who knew?
8. Mr. T
Besides being a wrestler and an actor Mr. T was also a gymnastics coach who used his students to stop villains and their evil plots.
7. The PJ’s
Eddie Murphy made this cartoon (claymation really) one of the funniest and most underrated Black cartoons despite the stereotypes.
6. Blokhedz
Blokhedz is a dope cartoon by the Madtwinz. Originally a comic book, the show never aired on TV but garnered a large following online and through its comic books and action figures. The show combined hip hop, science fiction, and comic books to create a dope cartoon.
5. Static Shock
Static was a young brother with electric powers and the same social issues that most of us dealt with, going to high school.
4. The Proud Family
The Proud Family had excellent voice acting and was funny for all ages.
3. The Jackson 5 Cartoon
Great music, funny likeable cartoons made for a great Saturday morning cartoon show.
2. The Boondocks
Not exactly a kids’ cartoon, but had excellent animation, voice work and satire making it one of the best Black cartoons ever.
1. Fat Albert
With Bill Cosby’s great voices, funny characters and good, positive storylines, Fat Albert is the best Black cartoon of all time.
Thank you very much, News One for Black America, for letting the European readers discover these fine cartoons,
Wenn die Situation nicht so ernst wäre, könnte man fast meinen, man sei mitten drin gelandet in einem der drastischen Süd-Skandinavien-Krimis. Denn in und ums schwedische Malmö herum - so will es uns die nordische Krimi-Autoren-Welt weismachen - geschehen so viele Morde, Verbrechen, Bombenexplosionen und andere Anschläge wie sonst wohl nirgends in Europa. Jetzt allerdings ist aus diesem an- und aufregenden Spiel der Fantasie plötzlich knallharte Realität geworden: Auf Malmös idyllischen Strassen und Gassen wird scharf geschossen.Zuletzt am Freitagabend und Ziel der Anschläge sind immer Menschen mit dunkler Hautfarbe.
"Schon seit einem Jahr schießt ein Unbekannter in Schweden Menschen nieder. Fast immer sind seine Opfer Einwanderer oder haben dunkle Haut.
Gegen 20 Uhr ist es dunkel in der Eriksfältsgatan in Malmö. Ein Mann steht einsam an der Haltestelle beim Fußballplatz und wartet auf den Bus Nummer 8. Da löst sich im Gebüsch hinter ihm ein Schuss. Die Kugel trifft den 28-Jährigen in den Rücken, sie verfehlt nur knapp die Wirbelsäule. Der Mann sackt zusammen, mit letzter Kraft tippt er die Notrufnummer in sein Mobiltelefon. Noch in der Nacht wird er operiert. Inzwischen ist sein Zustand "ernst, aber stabil", heißt es im Krankenhaus. Doch das ist nur ein kleiner Trost, denn die Ärzte von Malmö haben in diesem Jahr schon viel zu viele Schusswunden versorgen müssen...."
"Im schwedischen Malmö wächst die Angst vor einem Heckenschützen, der auf Menschen mit dunkler Hautfarbe schießt. Wie die Polizei mitteilte, wurden zwei junge Frauen mit Migrationshintergrund in der Nacht verletzt, als ein Unbekannter sie mit Schüssen durch ihr Wohnungsfenster traf. Eine Frau habe das Krankenhaus verlassen, das andere Opfer solle operiert werden, meldete der Schwedische Rundfunk.
Bei dem Anschlag habe man zum ersten Mal verwertbare Zeugenaussagen zum Aussehen des Schützen bekommen. Die Polizei untersuche allerdings noch, ob der Vorfall mit anderen Angriffen im Zusammenhang stehe, berichtete das Schwedische Radio weiter.
Die Opfer wurden in den meisten Fällen von hinten beschossen. So wurde ein 28 Jahre alter Mann von Kugeln im Rücken neben der Wirbelsäule getroffen, als er auf seinen Bus wartete. Eine 20- jährige Frau starb, als sie in ihrem Auto beschossen wurde. Ihr Begleiter, ebenfalls dunkelhäutig, überlebte den Anschlag schwer verletzt.
Im Rundfunk berichtete ein anderes Opfer, wie er beim abendlichen Training in einem Fitnessstudio von zwei Schüssen durch das Fenster am Arm und der Schulter getroffen wurde. Man werde alle verfügbaren Kräfte einsetzen, um den Heckenschützen schnellstmöglich dingfest zu machen, sagte der Polizeisprecher. Die Polizei kündigte "massive Fahndungsanstrengungen" an.
Erinnerungen an Serientäter werden wach
1991 und 1992 hatte ein als "Lasermann" bekanntgewordener Heckenschütze in Stockholm und Uppsala ebenfalls Jagd auf Zuwanderer gemacht. Er tötete eines der Opfer und verletzte mehrere weitere schwer. Nach einem Bankraub wurde der Täter identifiziert und wegen Mordes sowie zehnfachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt.
Die Polizei in Malmö werde nun auch durch Kollegen untersützt, die bei den Ermittlungen gegen den "Lasermann" eine entscheidende Rolle gespielt haben, berichtete das Schwedische Radio."
"In der südschwedischen Stadt Malmö sind am erneut Schüsse gefallen, die möglicherweise mit einer von der Polizei vermuteten Serie von Attentaten auf Ausländer im Zusammenhang stehen. Zwei Frauen im Alter von 26 und 34 Jahren wurden leicht verletzt, als ein Unbekannter am Donnerstagabend durch das Fenster ihrer Wohnung schoss.
Die Polizei riet den Einwohnern von Malmö und insbesondere solchen dunkler Hautfarbe, sich in den Abend- und Nachtstunden auf der Straße vorsichtig und aufmerksam zu verhalten. Bei den beiden verletzten Frauen - die eine wurde von einer Kugel im Unterarm getroffen, die andere erlitt offenbar einen Streifschuss am Rücken - handelt es sich laut der Malmöer Polizei um "Einwanderer aus einem europäischen Land".
Am Mittwoch gaben die Behörden bekannt, im Hinblick auf eine mutmaßliche Anschlagserie auf Einwanderer in Malmö zu ermitteln. In praktisch allen Fällen waren Menschen mit ausländischer Herkunft ohne vorherige Bedrohung und ohne erkennbaren Grund beschossen worden - auf Grund ballistischer Analysen zumindest teilweise mit der selben Waffe. Die Polizei prüft einen rassistisch motivierten Hintergrund und ermittelt in rechtsextremen Kreisen."
Värnhemsgatan, Östervärn, Malmö/
Pluskvam/ public domain./ Wikimedia Commons
"Ein Heckenschütze versetzt Schwedens drittgrößte Stadt Malmö in Angst und Schrecken. Bis zu 15 Mal hat er seit einem Jahr auf dunkelhäutige Einwanderer geschossen.
Auf die Schlagzeilen hat der Heckenschütze von Malmö prompt reagiert. Kaum hatten Medien diese Woche erstmals groß über eine beängstigende Serie von Anschlägen auf dunkelhäutige Menschen berichtet, schlug der Unbekannte in Schwedens drittgrößter Stadt wieder zu. Am Donnerstagabend schoss er durch das Küchenfenster in eine Wohnung, traf eine 26-jährige Frau in den Rücken und eine 34-Jährige in die Hand. Bei 10 bis 15 ähnlich hinterhältigen Überfällen innerhalb eines Jahres kam eine junge Frau ums Leben. Mehrere der Opfer wurden schwer verletzt.
„Bisher haben wir absolut keine Zeugenaussagen, die uns einem Verdächtigen näher bringen könnten“, musste Fahndungschef Mats Lassén einräumen. Nach den Schüssen auf die Frauen in der Wohnung immerhin konnten Zeugen erstmals brauchbare Angaben über den flüchtenden Täter machen.
„Wir müssen uns darauf einrichten, dass er wieder zuschlägt“, sagte Lassén. Die Fahnder wollen nicht mitteilen, wie viele Anschläge dem Heckenschützen genau zugeschrieben werden. Von 10 bis 15 Fällen innerhalb der letzten zwölf Monate mit immer demselben Muster ist die Rede: Opfer sind stets Männer und Frauen schwarzer Hautfarbe, die in abendlicher Dunkelheit von hinten beschossen werden. Oft beim Warten an der Bushaltestelle. In keinem Fall habe sich irgendein konkretes Motiv ermitteln lassen.
Der wahrscheinlich 20 bis 40 Jahre alte Täter ziele stets auf den Oberkörper, teilte die Polizei mit. Das bedeute, dass er den Tod der Opfer in Kauf nehme. Gestorben ist zu Beginn der Anschlagsserie im letzten Oktober eine junge Schwedin. Sie war als einziges der bisherigen Opfer hellhäutig und wurde in ihrem Auto zusammen mit einem dunkelhäutigen Begleiter beschossen.
Schwedens Justizministerin Beatrice Ask nannte die Anschlagsserie „schrecklich“ und sagte massive Unterstützung für die Polizei im südschwedischen Malmö zu....
Am Tatort in Malmö: Schwedens Polizei kommt bei den Ermittlungen gegen den Heckenschützen nicht wirklich weiter. - Foto: Reuters/DANKE!/Heckenschütze macht Jagd auf Einwanderer
....Ansonsten äußern sich die Experten noch betont zurückhaltend über einen Zusammenhang zwischen der Anschlagsserie und Ausländerfeindlichkeit. Im September schafften die betont zuwanderungskritischen Rechtspopulisten mit Forderungen nach drastisch weniger Zuwanderung erstmals den Sprung in den Reichstag. Malmö ist von den schwedischen Großstädten die mit dem höchsten Anteil an Zuwanderern."
"...Im Radio berichtete ein anderes Opfer, wie es beim abendlichen Training in einem Fitnessstudio von zwei Schüssen durch das Fenster am Arm und der Schulter getroffen wurde. Die Polizei arbeite mit Hochdruck an dem Fall, sagte eine Sprecherin im Radiosender SR.
1991 und 1992 hatte ein als «Lasermann» bekannt gewordener Heckenschütze in Stockholm und Uppsala ebenfalls Jagd auf Zuwanderer gemacht. Er tötete eines der Opfer und verletzte mehrere weitere schwer. Nach einem Bankraub wurde der Täter identifiziert und wegen Mord sowie zehnfachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt."
"...Mittlerweile arbeiten eine Sonderkommission und eine 15-köpfige Profiler-Einheit aus Stockholm an dem Fall. Die Ermittler waren sich zunächst gar nicht sicher, ob sie es mit nur einem Täter zu tun haben. Malmö ist eine Stadt, die von organisierter Kriminalität und Bandenkriegen geplagt wird. Die Zeitung Svenska Dagbladet recherchierte, dass es allein in diesem Jahr bereits 50 Schießereien gegeben hat. Doch spielt sich die Gewalt meist ausschließlich im kriminellen Milieu ab. Die Opfer des Heckenschützen dagegen seien allesamt unbescholtene Bürger, die der Polizei bislang völlig unbekannt waren, sagen die Ermittler.
Es gebe auch technische Beweise, die einen Zusammenhang zwischen den Anschlägen nahelegen. Genaueres wollen die Behörden wegen der laufenden Ermittlungen allerdings nicht sagen..."
"In Malmö liegen die Nerven von Bevölkerung und Behörden offenbar blank. Nach einem neuen Bericht über ein mutmaßlich missglücktes Schussattentat am Freitagabend hat die Polizei in der südschwedischen Stadt mobil gemacht und sucht nun das Stadtzentrum unter Einsatz von Spürhunden nach dem möglichen Täter ab. Die Patrouillentätigkeit wurde verstärkt und Teile der Innenstadt gesperrt.
Ein Radfahrer hatte kurz nach 19.00 Uhr die Polizei alarmiert und angegeben, aus einem Gebüsch heraus beschossen, aber nicht getroffen worden zu sein. Außerdem habe er einen verdächtigen Mann flüchten gesehen. Die Ermittler verfügen nach eigenen Angaben über eine Personenbeschreibung des möglichen Attentäters..."
"Ein landesweit bekannter Popstar ist HIV positiv, soll mehrfach ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt und dabei mindestens einen Mann infiziert haben. Die Presselandschaft in Deutschland überschlug sich im April 2009, als diese pikanten Details über Nadja Benaissa bekannt wurden, Sängerin der No Angels. Die Informationen kamen jedoch nicht durch harte Recherche von Journalisten ans Licht der Öffentlichkeit, sondern wurden den Medien auf dem Silbertablett serviert - ausgerechnet von der Staatsanwaltschaft Darmstadt, die derart Intimes in einer Pressemitteilung ausplauderte. Unter anderem heißt es darin, es bestehe der dringende Tatverdacht, "dass die Beschuldigte in den Jahren 2004 und 2006 ungeschützten Geschlechtsverkehr mit 3 Personen hatte, ohne diese zuvor darauf hinzuweisen, dass sie selbst HIV positiv ist"...
...Verantwortlich für diesen medialen Druck ist für viele die freizügige Öffentlichkeitsarbeit der Staatsanwaltschaft Darmstadt. Die Deutsche Aidshilfe sprach von "einer modernen Form der Hexenjagd". Auch ihr Medienanwalt Christian Schertz übte Kritik an den Behörden: Die Abwägung der Interessen hätte dazu führen müssen, "dass eine behördliche Erklärung über den Tatvorwurf hier unterbleibt". Er warf der Staatsanwaltschaft vor, die Pressemitteilung stehe "nicht im Einklang mit den geltenden Vorschriften des Landespressegesetzes".
Genau darauf berief sich damals aber der Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt, Ger Neuber. Auf Anfrage von stern.de rechtfertigt er seine damalige Presseerklärung damit, er sei "nach dem hessischen Pressegesetz verpflichtet, so zu handeln". Rückendeckung bekam Neuber von seinem obersten Dienstherrn. Am 29. April 2009 erklärte Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) im Landtag, dass an der Informationspolitik der Staatsanwaltschaft im Fall Benaissa nichts zu beanstanden sei.
Es geht hier um zwei Prinzipien, die sich widersprechen: Auf der einen Seite steht das Recht der Öffentlichkeit, über laufende Verfahren informiert zu werden. Auf der anderen Seite muss das Persönlichkeitsrecht der betroffenen Person gewahrt werden. Das hessische Landespressegesetz besagt, dass Medien Anspruch auf Information durch die Behörden hätten. Es gibt aber Einschränkungen, wie Jochen Wurster, Fachanwalt für Strafrecht erklärt. So bestehe kein Anspruch auf solche Informationen, die persönliche Angelegenheiten Einzelner beträfen und an deren öffentlicher Bekanntgabe kein berechtigtes Interesse bestehe. Die Staatsanwaltschaft hätte demnach von dem Verfahren wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung berichten dürfen - allerdings ohne die HIV-Infektion der Sängerin zu erwähnen.
Die Staatsanwaltschaft hat in diesem Fall eine Abwägung zuungunsten von Nadja Benaissas Persönlichkeitsrechten getroffen. Eine Entscheidung, die auch beim Berliner Landesgericht auf wenig Verständnis stieß. Es untersagte damals der "Bild"-Zeitung, weiter über diesen Fall zu berichten - und kritisierte damit indirekt die Staatsanwaltschaft Darmstadt. Deren Pressesprecher Ger Neuber räumte damals auf Nachfrage von stern.de ein: "Ich muss darin eine Kritik an der hiesigen Pressearbeit sehen."..."
"...Der Fall von Nadja Benaissa könnte kaum tiefer sein. Von Montag an muss sich die 28-jährige Sängerin der erfolgreichsten Castingband Deutschlands, den No Angels, vor dem Darmstadter Amtsgericht verantworten. Der Vorwurf gegen sie hatte großes Aufsehen erregt. Gefährliche Körperverletzung lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft, sie habe ihren Körper als „Biowaffe“ eingesetzt schrieb die Boulevardpresse...
...Aufstieg und Absturz, Erfolge und Burn-out, Millionen verkaufter Alben als glitzernder No-Angel-Star und am Ostersamstag vergangenen Jahres schließlich die Festnahme in einem Frankfurter Nachtclub, kurz vor einer Soloshow. Das Leben von Nadja Benaissa ist eine einzige Achterbahnfahrt, mit vielen Höhen und noch mehr Tiefen. Zehn Tage lang saß die Musikerin in Untersuchungshaft und durfte nur unter strengen Auflagen das Frauengefängnis wieder verlassen. Viele kritisierten damals, die Justiz gebe die Frau der öffentlichen Neugier preis.
Als Infizierte geoutet wurde der Retorten-Popstar in einer Presseerklärung der Ermittlungsbehörden. Ein Vorgehen, das ebenso wie die öffentlichkeitswirksame Verhaftung heftig umstritten war und eine neue Debatte über den Umgang mit HIV-Positiven ausgelöst hat. „Die hessische Justiz will offenbar ein Exempel statuieren“, kritisierte etwa die Deutsche Aids-Hilfe und bezeichnete die spektakuläre Festnahme vor einer Disco als unverhältnismäßig...
...Dabei kennt sie die Ängste, die das Virus auslöst, genau. „Es ist immer noch ein Ausnahmezustand“, gestand sie in einem Fernsehinterview und erzählte, wie sehr sie dafür gekämpft habe, dass nicht alle Welt von ihrem Geheimnis erfahre. Nur wenige Vertraute wussten Bescheid, ihre Tochter, inzwischen zehn Jahre alt, gehörte nicht dazu.
Einen Neuanfang wünscht sich der Star, der längst keiner mehr ist. Die letzte Tour mit den No Angels hatte die alleinerziehende Mutter im vergangenen Mai kurzfristig abgesagt – aus gesundheitlichen Gründen. Jetzt versucht sie ihr Glück mit einer Biografie, die im Oktober erscheinen soll und die einen einen bezeichnenden Titel tragen wird: „Nadja Benaissa – Alles wird gut.“
Mit der Casting-Band No Angels feierte sie Anfang dieses Jahrtausends große Erfolge. Im vergangenen Jahr sorgte Nadja Benaissa jedoch für ganz andere Schlagzeilen: Die Staatsanwaltschaft Darmstadt machte publik, dass sie HIV-positiv sei - und warf ihr vor, einen Mann mit ungeschütztem Geschlechtsverkehrt infiziert zu haben. Vorläufiger Tiefpunkt einer Karriere, die die Tochter eines marokkanischen Einwanderers an die Spitze der Charts katapultiert hat.
"...Ein Rundfunkmoderator und sein weiblicher Studiogast reden über Sex. Es geht nicht um das Sexualverhalten der Deutschen, nicht um Sextipps oder -probleme; es geht einzig und allein um das Sexleben der Frau, Nadja Benaissa, geboren 1982 im südhessischen Langen, Sängerin der „No Angels“, die HIV-positiv ist.
Ob das Wissen um ihre Infektion ihren Sex irgendwie verändere, will der Moderator wissen (Benaissa: Ja, natürlich, die Spontaneität sei schon eingeschränkt). Was ihr während des Beischlafs durch den Kopf gehe, will er wissen – Gedanken über die Ansteckungsgefahr, „oder lässt man sich nur auf den Sex ein?“ (Ja, manchmal sei es schwierig, sich einfach fallen zu lassen). Der Moderator dankt am Ende, findet es „verdammt cool“, wie Benaissa auftrete: „Vor einem Jahr hast du zu Recht gesagt, das ist meine private Sache, und jetzt stehst du hier und plauderst doch sehr intimes Zeug aus.“ Warum die Frau das tut, warum sie dem Moderator jede dreiste Frage höflich beantwortet und sich am Ende derart verhöhnen lassen muss, warum sie ihm nicht eine Ohrfeige verpasst und das Studio verlässt – all das ist eigentlich nicht zu begreifen.
Erklärbar wird die Szene im Studio des HR-Jugendsenders YouFM am Welt-Aids-Tag, Dezember 2009, nur, wenn man sich die wechselvolle Geschichte Benaissas vor Augen hält – vor allem die Rolle, die ihr aufgezwungen wurde, seit sie durch eine Festnahme im April 2009 zum „Fall Benaissa“ wurde. Dieser wird ab kommenden Montag am Darmstädter Amtsgericht verhandelt. Die Frage, die dort geklärt werden soll, und die hinter den penetranten Fragen vieler Interviewer steckt: Hat die heute 28-Jährige im Jahr 2004 einen Sexualpartner beim ungeschützten Sex mit dem HI-Virus infiziert – und ihn zuvor nicht über die Risiken informiert?Der Vorwurf lautet auf „vollendete gefährliche Körperverletzung“. Zeuge der Anklage ist ein Frankfurter Künstlerbetreuer, der die Sängerin bereits 2008 angezeigt hat. Dazu kommt der Vorwurf „versuchter gefährlicher Körperverletzung“ in vier weiteren Fällen, die sich seit dem Jahr 2000 zugetragen haben sollen. Weil Benaissa damals noch 17 war, verhandelt ein Jugendschöffengericht: Richter Dennis Wacker, 43, sowie zwei Schöffen, die den Berufsrichter überstimmen können. Sollte das Gericht sie für schuldig halten, drohen der Angeklagten bis zu zehn Jahre Haft. Fünf Prozesstage sind bisher anberaumt.
Dass sich die Tat nach so langer Zeit beweisen lässt, wird von juristischen wie medizinischen Experten angezweifelt. Und die teils reißerischen Geschichten und Spekulationen, die seit der vorübergehenden Inhaftierung Benaissas vor einem Solokonzert im April 2009 durch den Blätterwald rauschten, dürften auch wenig hilfreich gewesen sein. Vor allem Bild-Zeitung und Staatsanwaltschaft machten schon zu Beginn intime Details aus dem Sexualleben der Sängerin publik. Nicht nur ein faires Urteil, sondern auch ein faires Verfahren zu gewährleisten: Das wird für Richter und Schöffen durch diese Umstände zur besonderen Herausforderung.
„No Angels-Star Nadja nachts in der Disco verhaftet!“, meldet der Lokalteil der Bild-Zeitung in seiner Osterausgabe 2009, und: „Es geht um schwere Körperverletzung“. Um welche Art von Verletzung, bleibt offen, bis sich kurz darauf die Staatsanwaltschaft an die Presse wendet. Es bestehe der „dringende Tatverdacht“ gegen „eine 26-jährige Sängerin“, die „ungeschützten Geschlechtsverkehr mit drei Personen hatte, ohne diese zuvor darauf hinzuweisen, dass sie selbst HIV-positiv ist“. Den Namen erwähnt die Staatsanwaltschaft nicht. Jeder kann ihn sich denken. „No Angels-Star Nadja HIV-positiv“ lautet nun die Schlagzeile in der Bild am nächsten Tag. Und: „U-Haft, um Männer vor Ansteckung zu schützen!“
Die groteske Vorstellung verfängt zumindest bei einigen. Von Infizierten, die ihren „Körper als Bio-Waffe“ einsetzen, redet kurz darauf der SPD-Abgeordnete Siegmund Ehrmann; ein Sprecher der Frankfurter Aids-Hilfe, Jörg Litwinschuh, wiederum vergleicht das Vorgehen der Justiz mit einer „Hexenjagd“. In der FR erinnert der Strafrechtler Winfried Hassemer, vormals Verfassungsrichter, daran, „dass das Ermittlungsverfahren im Grunde ein geheimes Verfahren ist“. Und: „Man muss vorsichtig sein, wenn man dieses große Rad anwirft.“
Doch das Rad rotiert bereits auf Hochtouren. Staatsanwalt Ger Neu-ber taucht nun in Talkshows auf, um seine Auskunftsfreudigkeit zu rechtfertigen. In der FR erklärt er im April 2009: Die Behörde habe angesichts der Schwere der Vorwürfe in Kauf nehmen müssen, „den Ruf der jungen Frau in gewisser Weise zu schädigen“.
Heute, kurz vor Prozessbeginn, weist er nach wie vor jede Kritik von sich. „Von uns aus wären wir nie an die Öffentlichkeit gegangen“, sagt er auf Anfrage. Seine Behörde habe auf den „medialen Druck“ reagieren müssen, „weil da ja erhebliche Spekulationen durch die Welt geisterten“. Freilich: Erst die Details der Staatsanwaltschaft haben den medialen Druck so richtig erhöht...."
"...Benaissa wird ein Fall von gefährlicher Körperverletzung aus dem Jahr 2004 vorgeworfen, dazu kommen noch vier Fälle von versuchter gefährlicher Körperverletzung aus den Jahren 2000 bis 2004. Da die Angeklagte beim ältesten Tatvorwurf aus dem 2000 erst 17 Jahre alt war, muss sie sich vor einem Jugendschöffengericht verantworten. Der Vorsitzende ist Richter Dennis Wacker (43).
Unter den rund 20 Zeugen sind auch die drei Band-Kolleginnen. Außerdem soll ein Sachverständiger gehört werden. Der Mann, den Benaissa angesteckt haben soll, tritt als Nebenkläger auf.
„Wir erwarten ein großes Interesse“, sagt der Sprecher des Amtsgerichts, Albrecht Simon. Deshalb wird im Saal 3 des Landgerichts verhandelt, in dem etwa 50 Zuschauer Platz finden: „Das ist der größte Saal der Justiz in Darmstadt.“
Es sind auch besondere Sicherheitsvorkehrungen geplant. So soll es zwei Einlasskontrollen geben - einmal am Haupteingang des Gerichts und dann noch einmal vor dem Verhandlungssaal. Dabei suchen die Beamten auch nach Waffen. Handys müssen ausgeschaltet werden. Fans dürfen keine Fotos machen oder Teile der Verhandlung filmen...."
"....Nadja Benaissa zeigt eine erstaunliche innere Stärke. Dabei hatte sie zuvor gestanden, „kaum Kraft zum Weiterleben zu haben“. Das war direkt nach dem 11. April 2009. Damals, am Ostersamstag, war sie auf spektakuläre Weise verhaftet worden: direkt nach dem Auftritt in einer Frankfurter Disco und vor den Augen von Hunderten von Fans.
Zehn Tage saß sie in Untersuchungshaft und stand öffentlich am Pranger. Als „eiskalter Todesengel“ wurde die 28-Jährige in Internet-Foren beschimpft. Ohne Beispiel war das Vorgehen der Staatsanwaltschaft: der Polizeieinsatz bedeutete ein amtliches Zwangsouting.
„Ich dachte, nicht nur mein Leben ist zerstört, auch das meiner Tochter“, so Nadja. Ihre Tochter Leila war damals neun Jahre alt, nicht HIV-infiziert. Das Drama kam für sie ohne Vorwarnung. Sie wurde auf dem Schulhof beschimpft. „Ich wollte es Leila natürlich irgendwann selbst erzählen“, so Nadja, „aber sie war noch so kindlich.“
Im No-Angels-Trubel wirkte Nadja oft selbst noch wie ein Kind. Während die anderen sich selbstbewusst in Szene setzten, besonders die rivalisierenden Alpha-Girls Sandy und Vanessa, saß der jüngste Engel gerne etwas abseits – und konnte wie ein verträumter Teenager schweigen.
Was viele gar nicht wahrnahmen: Sie war oft einfach müde, weil sie sich in jeder freien Minute um ihr Baby kümmerte. Dass sie eine alleinerziehende Mutter war, darüber redete sie anfangs nicht gerne. Genau wie über die unzähligen Bücher, die sie stets mitschleppte und zwischen den Auftritten verschlang.
Nadja Benaissa, Tochter eines Marokkaners und einer Deutsch-Serbin, passt nicht ins Schema heutiger aufgeheizter „Superstar“-Karrieren. Nadja wuchs wohl behütet in einer Reihenhaus-Idylle auf. Sie besuchte das Gymnasium, lernte früh Blockflöte und Klavier, spielte im Schultheater. Doch irgendwann, mit 14 oder 15, rutschte sie ab. Sie schloss sich einer ziemlich rauen Rockband an. Sie geriet an Drogen und an falsche Freunde. Abbruch des Gymnasiums.
Erst mit den No Angels verließ sie das schwarze Loch wieder. Vor den Gästen der Berliner Aids-Gala sagte sie dazu: „Ich wünschte, ich hätte manchmal mehr auf meine Eltern gehört, wenn sie mir immer predigten: ,Nadja, komm nicht so spät nach Hause, geh nur mit den netten Jungs aus – und benutz Kondome!’
Glauben Sie mir, es gibt keinen Tag, an dem ich nicht bereue, in einer einzigen Nacht nicht die richtige Vorsorge getroffen zu haben.“ Nadjas Charakter kann durchaus irritieren. Mal wirkt sie gedankenverloren und abweisend. Und dann ist sie diejenige, die sich im Foto-Studio von allen Girls in die heißesten Posen wirft. Dass sie dabei keine Unschuldsmine auflegt, hat manchen Reporter zu wilden Spekulationen getrieben.
Natürlich erst recht, als die Aids-Story und böse Gerüchte im Internet auftauchten. Anderseits zeigt Nadja in Interviews eine erstaunliche Sprachgewandtheit – und die Fähigkeit, über sich und ihr ungewöhnliches Leben kritisch zu reflektieren.
Auf die Frage, wen sie sehe, wenn sie in den Spiegel schaue, antwortete sie einmal: „Eine junge, mal mehr, mal weniger ausgeglichene, auf gar keinen Fall vollkommene Frau.“
Nachdenklich und trotzdem zuversichtlich: Nadja Benaissa hat alles erlebt – vom glamourösen Aufstieg bis zum bitteren Sturz.ddp/Berliner Kurier